Politik : Kohl-Rede: Empörung über Angriff auf Rot-Grün

Die heftigen Vorwürfe von Alt-Kanzler Helmut Kohl auf SPD und Grüne haben wenige Tage vor dem zehnten Jahrestag der deutschen Einheit am 3. Oktober bei den beiden Regierungsparteien weitere Empörung ausgelöst. Beide Parteien attackierten nun ihrerseits Kohl. Der Alt-Kanzler hatte Teilen von SPD und Grünen vorgeworfen, Ende der 80er Jahre das Verfassungsgebot der Wiedervereinigung verraten zu haben. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte der dpa: "Helmut Kohl ist nicht nur ein Kassenbuch-Fälscher. Mit seinen Verleumdungen über die Haltung von führenden Sozialdemokraten ist er auch zum Geschichtsfälscher geworden." Die Spitze der Grünen sah in Kohls Angriff einen "maßlosen Rundumschlag". Auch die Geschichts- und Politikwissenschaftler Manfred Görtemaker und Oskar Niedermayer nannten Kohls Äußerungen "unwürdig" und übertrieben.

Kohl hatte am Vortag namentlich auch Bundespräsident Johannes Rau angegriffen. In einer Rede bei einem Fest der Adenauer-Stiftung erinnerte Kohl an das gemeinsame Grundsatzpapier von SED und SPD vom August 1987. Darin hatten beide Seiten versichert, dass sie dem jeweils anderen deutschen Staat ihre Existenzberechtigung nicht absprechen wollen. Struck sagte, die Union betreibe eine "widerwärtige Kampagne" gegen die SPD. Kohl sei ein "Meister der Zwietracht". Der Grünen-Vorsitzende Fritz Kuhn sagte, Kohl wolle lediglich von seinen Problemen in der Spendenaffäre ablenken.

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