Politik : Kohl und Stoiberentschärfen ihrenStreit um den Euro

Kanzler bekennt sich zur strikten Stabilität München/Frankfurt (Main) (AP/dpa).Bundeskanzler Helmut Kohl und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber haben ihren Streit um den Euro vorerst entschärft.Bei ihrem ersten Treffen seit Beginn ihrer Meinungsverschiedenheit bekräftigten beide am Dienstag in München ihr Bekenntnis zu einer stabilen und soliden Gemeinschaftswährung.Kohl äußerte sich davon überzeugt, daß Deutschland das Defizitkriterium erfüllen werde: "Es bleibt bei drei - 3,0 Prozent." Stoiber zeigte sich zufrieden nach der Begegnung: "Wir ziehen an einem Strick", sagte er. -Das Zusammentreffen von Kohl und Stoiber verlief äußerst distanziert.Nach ihren Ansprachen zogen sich der CDU-Chef und der CSU-Politiker für wenige Minuten zu einem Gespräch unter vier Augen zurück.Das Thema Euro kam dabei nach Angaben von CSU-Fraktionschef Alois Glück aber nicht zur Sprache.Dazu sei die Zeit zu kurz gewesen, hieß es.Ohne direkt auf den jüngsten Euro-Streit mit Stoiber einzugehen, sagte Kohl, notwendige Veränderungen dürften nicht von Reformverweigerern verhindert werden.Wenn klar sei, daß die richtige Entscheidung nicht im Konsens durchzusetzen sei, müsse trotzdem gehandelt werden.Er sei "kein Konsenskanzler".Stoiber hatte gedroht, bei einer weichen Auslegung der Maastricht-Kriterien werde Bayern die Währungsunion blockieren. CSU-Chef und Bundesfinanzminister Theo Waigel sagte in Frankfurt am Main, er sei "absolut sicher", daß die Bundesrepublik den Sprung in Währungsunion schaffe.Waigel forderte in der Debatte um die Stabilitätskriterien ebenfalls eine strikte und enge Auslegung der Maastricht-Grenzwerte. Unterdessen kritisierte der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt erneut die von Stoiber ausgelöste Euro-Diskussion, die die Menschen verunsichere.Stoiber beschwöre damit "ganz andere Geister".Extremere Gruppierungen, die die Renationalisierung der Politik wollten, könnten so Aufwind bekommen, sagte Gerhardt im Südwestfunk.Er glaube kaum, daß damit "das Wasser auf die eigenen Mühlen (der CSU) gelenkt werden kann", sagte der FDP-Chef in Anspielung auf die Bayernwahl im September 1998. Die deutsche Eurodebatte stößt auch im Ausland zunehmend auf Kritik.Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker bemängelte, wer dauernd von einer Aufweichung der Konvergenzkriterien rede, der gebe den anderen EU-Staaten den Eindruck, daß sie sich nicht mehr anzustrengen bräuchten.Der neue EU-Ratspräsident warnte im Mitteldeutschen Rundfunk davor, den Euro zu verschieben.

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