Politik : Kohls Entscheidung bringt Zeitplan der SPD ins Wanken

Niedersachsen: Schröder bald als Kanzlerkandidaten küren / Umfrage ermittelt Mehrheit gegen neues Antreten Kohls BONN (AP/dpa).Die SPD ist nach der Ankündigung von Bundeskanzler Kohl, wieder für das Amt zu kandidieren, mit der Nominierung ihres Gegenkandidaten unter Druck geraten.Führende SPD-Politiker waren derweil bemüht, diesem Eindruck entgegenzutreten.Sie bekräftigten am Freitag, daß sich die Partei nicht drängen lassen und an ihrem Fahrplan festhalte, der eine Nominierung ihres Kanzlerkandidaten erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im nächsten Frühjahr vorsieht.Niedersächsische SPD-Politiker forderten allerdings bereits, ihren Ministerpräsidenten Schröder zu nominieren, und zwar möglichst bald. -Die Grünen forderten eine baldige Entscheidung der SPD.Vorstandssprecherin Röstel sagte, sie glaube nicht, daß "die SPD noch ein Jahr Zeit hat, ihren Kandidaten aufzustellen.Da wird sich die Partei in allernächster Zeit zusammensetzen müssen." Niedersachsens Ministerpräsident Schröder ließ erklären, er sei sich mit Parteichef Lafontaine und der Parteiführung insgesamt einig, daß die SPD an ihrem Plan festhalten sollte.Es gebe für sie keinen Grund, "über jeden Stock zu springen, den man ihr hinhält".SPD-Vize Thierse empfahl "große Gelassenheit." Es bleibe dabei, daß auf einem SPD-Parteitag im April 1998 Kandidat und Mannschaft vorgestellt würden.Gehe die Landtagswahl nicht zugunsten Schröders aus, sei möglicherweise sein Image beschädigt.SPD-Geschäftsführer Müntefering sagte, seine Partei habe "mindestens zwei" Bewerber, die als Bundeskanzler in Frage kämen.Aber die Wähler warteten "nicht auf Kandidatennominierung, sondern die warten auf die Lösung von Problemen." Einer Infratest-Umfrage im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks zufolge sind allerdings sind 57 Prozent der Bundesbürger für eine sofortige Benennung des SPD-Kandidaten, nur 29 Prozent fürs Abwarten.Schröder wurde von 31 Prozent die Lösung der derzeitigen Probleme am ehesten zugetraut.Kohl und Lafontaine erhielten deutlich weniger Zustimmung.Die neuerliche Kandidatur Kohls lehnten 53 Prozent ab. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rappe forderte jedoch eine Entscheidung vor der Sommerpause.Wie der Chef der SPD-Landtagsfraktion in Hannover, Aller, plädierte er für Schröder.Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Hörster, nannte den Zustand der SPD "demokratiegefährdend".

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