Politik : Kohls Forderung nach Lohnverzicht löst Welle des Protests aus

DIHT: Reale Nullrunden nötig für mehr Arbeitsplätze Bonn(dpa).Gewerkschaften und die SPD haben die Forderung von Bundeskanzler Helmut Kohl nach einem Verzicht auf Reallohnerhöhungen entschieden zurückgewiesen und statt dessen eine gemeinsame Aktion zur Schaffung neuer Arbeitsplätze gefordert.Kohl hatte am Mittwoch erklärt, er halte es für zumutbar, daß diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben, für einige Jahre kürzertreten oder ganz auf einen Anstieg ihrer Realeinkommen verzichten.Für die meisten gehe es nicht um echte Einschnitte, sondern lediglich um den Verzicht auf Wohlstandszuwächse, sagte der Kanzler.Führende Gewerkschaftsvertreter kritisierten dies und wiesen darauf hin, daß die Arbeitnehmer schon in den vergangenen Jahren - von Ausnahmen abgesehen - keine realen Einkommenszuwächse erhalten hätten.Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Clement (SPD) forderte "Problemlösungstische" nach dem Vorbild in den Niederlanden.An solchen festen Gesprächskreisen sollten Vertreter von Regierung, Bundesländern, Opposition, Gewerkschaften und Arbeitgebern teilnehmen. IG Metall-Chef Klaus Zwickel nannte Kohls Appell einen Ausdruck "blindwütiger Einseitigkeit".Durch die Regierungspolitik sei seit 1982 die Zahl der Arbeitslosen von knapp zwei Millionen auf mehr als 4,6 Millionen gestiegen.Weder die Erleichterung von Teilzeitarbeit, noch die Verlängerung der Ladenschlußzeiten oder die Änderung des Kündigungsschutzes hätten die versprochenen Arbeitsplätze gebracht.DGB-Chef Dieter Schulte meinte zudem, die Zahl der Arbeitsplätze sei unter der Regierung Kohl ständig gesunken.Der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Roland Issen, warf Kohl eine mangelnde Kenntnis der tatsächlichen Einkommensentwicklung der Durchschnittsarbeitnehmer vor.Ebenso wie IG-Chemie-Chef Hubertus Schmoldt forderte er einen Abbau der Überstunden und einen Ausbau der Teilzeitarbeit. Während Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) Kohls Forderung unterstützte, nannte sie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) "einseitig und unproduktiv".Mit derart unausgewogenen Vorschlägen könne Kohl keinen Konsens zur Belebung des Arbeitsmarktes schaffen: "Das wird als Hohn verstanden."

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