Politik : Kokainspuren im Reichstag: Institut verteidigt seine Untersuchungen

Sabine Beikler

Das vom Fernsehsender Sat 1 beauftragte Institut schließt bei den Proben auf Kokain Manipulationen aus. Fritz Sörgel, Leiter des Institutes für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg, sagte am Donnerstag dem Tagesspiegel, dass "die Kokainspuren zu gering waren, als dass sie zum Beispiel von Schweißdrüsen der Handinnenfläche des Journalisten stammen können, der die Wischproben vorgenommen hatte". Das hänge mit der Resorptionsmöglichkeit der Droge im Körper zusammen.

Die nachgewiesenen Kokainmengen von 22 Toiletten im Reichstag betrugen zwischen 0,01 und 0,001 mg. Diese geringen Mengen seien ein weiteres Indiz gegen eine Manipulation. "Die Ergebnisse wären um ein Vielfaches höher gewesen, hätte man die Droge direkt auf den Untersuchungsgegenstand gegeben", sagte der Pharmakologe. Er schloss aber nicht aus, dass Kokainspuren aus einer Toilette durch das Putzwasser andere Toiletten hätten kontanimieren können. "Sollte das so sein, dann ist das ein Eigentor des Bundestages: Werden die Toiletten oft gereinigt, dann waren die Drogenmengen davor sehr viel höher." Nach dem Analyseergebnis habe er vergeblich versucht, einen Kontakt mit der Bundestagsverwaltung herzustellen.

Sörgel reiste wegen des Wirbels um die Kokainspuren am Donnerstag vorzeitig von einem Kongress in Indianapolis ab. Gemeinsam mit Ulrich Meyer, Moderator des Sat 1-Magazins "Akte 2000", will er an diesem Freitag die Untersuchungsergebnisse von insgesamt 43 Proben vorstellen. Meyer, zugleich Mitgesellschafter der "Akte 2000" produzierenden Berliner Firma Meta productions, sagte dem Tagesspiegel, er werde das genaue Prozedere der Probenentnahme dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Reinhard Führer, schildern und ihnen die Testergebnisse übergeben. "Wir halten die Daten nicht zurück. Mit dem Beitrag wollten wir zeigen, dass Kokain nicht nur in der Szene, sondern auch in politischen Gremien vorkommt." Der Autor des Berichtes, Martin Lettmayer, habe an den Orten allein mit versteckter Kamera gedreht, jede zu testende Stelle mit einem steril verpackten Tuch abgewischt, die Probe in ein Reagenzglas gesteckt und schließlich beschriftet.

"Der Autor hat die Proben ohne Handschuhe entnommen, sich aber nach jedem Test die Hände gewaschen", sagte Meyer. Eine eidesstattliche Versicherung über diese Verfahrensweise des bei seiner Produktionsfirma fest angestellten Redakteurs liege vor. Lettmayer habe sich vor den Probeentnahmen direkt im Institut von Sörgel über das fachliche Know-how informiert. Das bestätigte auch Laborleiterin Martina Kinzig-Schippers.

Für den Berliner Journalisten war es auch nicht das erste Mal, dass er in Sachen Kokain auf der Spur war. Das Sat 1-Magazin brachte vor einigen Wochen einen Bericht über Kokainspuren rund um das Münchner Oktoberfest: genau die gleiche Probentechnik, genau das gleiche untersuchende Institut. Nur das Ergebnis war anders. Wissenschaftler Sörgel: "Im Vergleich zu den Toiletten im Reichstag haben wir dort tonnenweise Kokainspuren gefunden."

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