Politik : Kokainspuren im Reichstag: "Sat 1-Report bedient nur Sensationsgier und Voyeurismus"

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Als "äußerst fragwürdig und unseriös" hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels, die Wisch-Aktion des Privatsenders Sat 1 in den Reichstags-Toiletten bezeichnet, bei der in 22 von 28 Fällen angeblich Kokainspuren festgestellt wurden. Allein die Tatsache, dass die Toiletten von sehr vielen Menschen und Berufsgruppen benutzt werde, führe die Aktion "ad absurdum", sagte die Grünen-Politikerin dem Tagesspiegel.

Hinzu komme, dass bislang niemand wisse, wie die Reporter vorgegangen seien. Als Drogenbeauftragte sei sie daran interessiert, dass die Diskussion über Suchtgefährdung und Abhängigkeit seriös und verantwortungsbewusst geführt werde, sagte Nickels. Der Beitrag von Sat 1 hingegen sei geeignet, Sensationsgier und Voyeurismus zu befriedigen. Dass Menschen unter Hochleistungsdruck besonders suchtgefährdet sind, sei eine Binsenweisheit. Es gehe aber nicht an und sei eine "böse Diffamierung, eine ganze Berufsgruppe in der Art eines Spektakels unter Generalverdacht zu stellen".

Ähnlich äußerte sich der drogenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Hansjörg Schäfer. Es könne nicht angehen, "dass von der Jagd nach Quote getriebene Berichterstatter Volksvertreter pauschal an den Pranger stellen", sagte er.

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