Kollegen der ermordeten Michèle Kiesewetter : Polizisten aus dem Südwesten waren im Ku-Klux-Klan

31.07.2012 21:18 Uhr
Zu den Erkennungszeichen des rassistischen Ku-Klux-Klan gehören die typischen Spitzhauben. Foto: dapd
Zu den Erkennungszeichen des rassistischen Ku-Klux-Klan gehören die typischen Spitzhauben. - Foto: dapd

Im April 2007 wurde die Polizistin Michèle Kiesewetter von NSU-Terroristen ermordet. Jetzt wurde bekannt: Zwei ihrer Kollegen hatten Verbindungen zum rassistischen Ku-Klux-Klan - und sind trotzdem noch im Staatsdienst.

Zwei Polizisten aus Baden-Württemberg haben Verbindungen zum rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gehabt - und sind trotzdem noch immer im Staatsdienst. Entsprechende Informationen der „Tageszeitung“ unter Berufung auf Akten aus dem Bundestag-Untersuchungsausschuss zur Zwickauer Terrorzelle NSU bestätigte ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums am Dienstagabend.
Laut der Zeitung waren die beiden Polizisten Kollegen von Michèle Kiesewetter: Die Polizistin war im April 2007 in Heilbronn während ihres Streifendienstes mit Kopfschüssen getötet worden - mutmaßlich von den Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aus der rechtsextremen Terrorgruppe NSU.

In deren Wohnmobil war auch Kiesewetters Dienstwaffe gefunden worden. Der Ministeriumssprecher äußerte sich zu dieser Querverbindung nicht.
Die „Bild“-Zeitung hatte am Montag berichtet, dass ein ehemaliges Mitglied des KKK Kiesewetters damaliger Zugführer gewesen sei und möglicherweise Tipps an die Täter gegeben habe. Bis mindestens 2003 sei er Mitglied im deutschen Klan gewesen. Daraufhin hatte die Bundesanwaltschaft erklärt, sie verfolge keine neue Spur in Richtung des rassistischen Geheimbundes. Der Mord sei nach wie vor ausschließlich dem Neonazi-Terrortrio NSU zuzurechnen.

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Laut Ministerium gab es damals disziplinarrechtliche Konsequenzen gegen die zwei Beamten - sie seien aber nach wie vor im Dienst, wie der Sprecher am Dienstag die „taz“-Informationen bestätigte. Er machte keine Angaben zu der Frage, ob die KKK-Verbindungen der beiden Staatsdiener nicht möglicherweise auf eine verfassungsfeindliche Gesinnung schließen lasse. Auch zur Art der damaligen „Konsequenzen“ oder den Diensträngen und Aufgaben der Männer äußerte er sich nicht.


Der militante Geheimbund Ku-Klux-Klan entstand 1866 nach der Abschaffung der Sklaverei in den USA. Der streng hierarchisch organisierte Klan mit ordensähnlichen Ritualen verbreitete mit Brandstiftungen, Auspeitschungen und Fememorden sowie Lynchjustiz Angst und Schrecken. Berüchtigt waren auch die gewalttätigen Aktionen der Männer in ihren weißen Gewändern und den spitzen Kapuzen unter brennenden Kreuzen. Einst hatte der KKK in den USA vier Millionen Mitglieder, heute sollen es noch mehrere tausend Menschen sein. (dpa)

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