Kolumbien : Hunderttausende protestieren gegen Todesschwadronen

Etwa 300.000 Menschen haben in Bogota und anderen Städten Kolumbiens gegen die Gewalt paramilitärischer Gruppen demonstriert. Sie warfen der Regierung Uribe vor, heimlich mit den "Paras" zu paktieren.

Kolumbien
Wo sind sie? Studentinnen zeigen Bilder von Verschwundenen. -Foto: AFP

BogotaDie Teilnehmer der Demonstrationen zeigten immer wieder Fotos von Opfern der Gewalt und forderten in Spruchbändern ein Ende "aller Massaker". Aufgerufen zu den Demonstrationen hatte die Bewegung der Opfer von Staatsverbrechen. Sie wurden von mehreren Parteien unterstützt.

Die Kolumbianer wollten ihre Solidarität zeigen "mit den vier Millionen Vertriebenen, den 15.000 Verschollenen und den 3000 Menschen, die von den Paramilitärs in Massengräbern verscharrt wurden", sagte ein Sprecher der Bewegung. Er prangerte zugleich "Staatsverbrechen" an und kritisierte die kolumbianische Armee, die oft ebenfalls Gewalttaten begehe und teilweise mit den Paramilitärs zusammenarbeite.

"Das ist ein Marsch der Solidarität. Wir marschieren, um unsere Unterstützung für alle Verbrechensopfer zu demonstrieren", sagte in Bogota Organisator Ivan Cepeda, dessen Vater 1994 ermordet worden war. Wegen der Demonstration waren in Bogota 15.000 zusätzliche Polizisten im Einsatz. Nach Angaben der Stadtverwaltung nahmen in der Hauptstadt 200.000 Menschen an der Demonstration teil. Fernsehberichten zufolge versammelten sich in anderen Städten weitere 100.000 Menschen. Medienberichten zufolge kam es in Bogotá zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Grausame Massaker

Die ultrarechten Todesschwadronen waren in den 1980er Jahren auf Intitiative von Großgrundbesitzern als Schutz gegen Angriffe linker Rebellen ins Leben gerufen worden. Sie spielten jedoch auch eine große Rolle bei der Vertreibung von Bauern von ihrem Land, das anschließend in die Hände paramilitiärischer Kommandanten gelangte und beteiligten sich im großen Stil am Drogenhandel. Berüchtigt sind sie vor allem für ihre besonders grausamen Massaker an der Zivilbevölkerung. Die Regierung von Präsident Uribe, der eine besondere Nähe zu den inzwischen offiziell aufgelösten Paramilitärs vorgeworfen wird, hat die Demonstrationen als Machwerk der linken Farc-Rebellen kritisiert.

Uribe hatte 2004 mit den Kommandanten der Paramilitärs die Auflösung der Verbände vereinbart. Im Gegenzug wurden den Tätern besonders niedrige Strafen von höchstens acht Jahren Gefängnis zugesagt, wenn sie ihre Verbrechen gestehen. Mehr als 31.000 Bewaffnete legten daraufhin zwischen 2003 und 2006 ihre Waffen nieder und sollten in staatlichen Programmen auf die Rückkehr in das Zivilleben vorbereitet werden. Tausende dieser Paramilitärs sind inzwischen jedoch wieder in den Dienst von Drogenbanden getreten und drangsalieren die Zivilbevölkerung wie früher. (feh/AFP/dpa)

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