Kolumbien : Präsident Uribe gerät wegen Entführungen unter Druck

Für seine harte Haltung gegenüber den linken Rebellen erhielt Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe bisher viel Zustimmung. Nun wird seine Politik der Stärke scharf kritisiert. Ausgerechnet vom Vater eines von Rebellen entführten Soldaten.

Uribe und Moncayo
Kolumbiens Präsident Uribe diskutiert mit dem Vater eines von linken Rebellen entführten Soldaten, der Zugeständnisse an die...Foto: efe

BogotáDer kolumbianische Präsident Alvaro Uribe gerät mit seiner harten Haltung beim Austausch von Entführungsopfern gegen inhaftierte Rebellen zunehmend unter Druck. Nach einem zweistündigen Gespräch mit Gustavo Moncayo, dem Vater eines vor mehr als neun Jahren von den Farc-Rebellen verschleppten Soldaten, bot der Präsident bei einer Rede in der Hauptstadt Bogotá die Freilassung aller Rebellen an. Allerdings nur wenn die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) ihrerseits alle Geiseln freilasse. Es wird geschätzt, dass sich rund 700 Menschen in den Händen der Farc befinden.

Uribe zeigte sich darüber hinaus bereit, eine Sonderzone für Gespräche über einen "friedensschluss mit den Farc binnen 90 Tagen" einzurichten. Eine von den Rebellen geforderte entmilitarisierte Zone von der Größe New York Citys, lehnte er jedoch weiterhin ab. Uribes Rede wurde von Pfiffen und "Lügner"-Rufen der rund 3000 Zuhörer begleitet, und Moncayo zog sich demonstrativ vom Rednerpult zurück. Uribe wies die Anschuldigungen zurück, er sei ein Mann der Drogenhändler und rechten Paramilitärs, die mehr als 10.000 Menschen  in dem südamerikanischen Land umgebracht haben. Er lud eine junge Frau aus der Menge auf die Bühne ein, um mit ihr zu diskutieren. Zuschauer im ganzen Land verfolgten das ungewöhnliche Ereignis live im Fernsehen.

Moncayo hatte auf einem mehr als 1000 Kilometer langen Protestmarsch aus dem Südwesten des Landes bis nach Bogotá immer mehr Zulauf erhalten. In Kolumbien wird er wegen seines Engagements für den Frieden mittlerweile mit Mohammed Gandhi verglichen. Bei seiner Ankunft in Bogotá nach 46 Tagen Fußmarsch war der 55-Jährige am Mittwoch von mehreren zehntausend Menschen empfangen worden. Seither kampiert er in einem Zelt auf dem zentralen Bolivar-Platz von Bogotá und will dort bleiben, bis sein Sohn frei gekommen ist. Er sagte: "Wir sind gefangen zwischen den Farc und der Regierung, die Politik spielen." (mit dpa/AFP)

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