• Kolumbiens Präsident nimmt Friedensnobelpreis entgegen: "Der eigentliche Preis ist der Frieden in meinem Land"

Kolumbiens Präsident nimmt Friedensnobelpreis entgegen : "Der eigentliche Preis ist der Frieden in meinem Land"

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat in den Oslo den Friedensnobelpreis empfangen. Er nehme die Auszeichnung stellvertretend für die mehr als acht Millionen Kriegsopfer in Kolumbien entgegen, sagte er.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos nimmt den diesjährigen Friedensnobelpreis entgegen.
Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos nimmt den diesjährigen Friedensnobelpreis entgegen.Foto: dpa

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat am Samstag den Friedensnobelpreis entgegengenommen. „Kolumbien hat das Unmögliche möglich gemacht und den Krieg beendet“, sagte Santos bei der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Der 65-Jährige erhielt die höchste Friedensauszeichnung für seine erfolgreichen Bemühungen, in Verhandlungen mit der Farc-Guerilla den blutigsten und längsten Konflikt des lateinamerikanischen Kontinents zu beenden.

„Der eigentlich Preis ist für mich der Frieden in meinem Land“, sagte Santos in seiner Dankesrede. Deswegen nehme er die Auszeichnung stellvertretend für rund 50 Millionen Kolumbianer und vor allem im Namen der mehr als acht Millionen Kriegsopfer entgegen. Der Friedensprozess, bei dem die Opfer in den Mittelpunkt gestellt worden seien, könne anderen kriegsgebeutelten Ländern als Beispiel dienen.

Berit Reiss-Andersen, Mitglied des Nobelpreiskomitees, sagte, der Preis sei eine Auszeichnung für das ganze kolumbianische Volk, das trotz großer Leiden nie die Hoffnung auf einen gerechten Frieden verloren habe. Santos nahm den Preis im Beisein von mehreren Vertretern der Opfer des jahrzehntelangen Konflikts entgegen. Unter ihnen befand sich auch die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die mehr als sechs Jahre ihres Lebens in Geiselhaft in Farc-Camps verbracht hatte. Vertreter der Farc hatte Santos nicht zu der Preisverleihung eingeladen, aber zuvor betont, die Rebellen seien „im Geist und im Herzen anwesend“.

Lange hatte Santos um den Vertrag mit den Rebellen gerungen

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, Kolumbien setze ein Zeichen der Hoffnung: „Ich wünsche Santos, dass ihm der Friedensnobelpreis Kraft und Ansporn gibt, weiterhin mit vollem Einsatz für einen dauerhaften Frieden in Kolumbien zu arbeiten.“

Etwa vier Jahre lang hatte Santos gegen heftigen Widerstand der konservativen Opposition um einen Friedensvertrag mit den Rebellen gerungen. Seit Anfang Dezember ist ein Abkommen in Kraft. Die erste Fassung des Friedensvertrages war im Oktober von der Bevölkerung mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Eine überarbeitete Version wurde Ende November trotz fortbestehender Vorbehalte der Opposition vom Kongress verabschiedet.

Der Bürgerkrieg zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Seither wurden etwa 340.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden vertrieben.

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 825.000 Euro) dotiert. Santos kündigte an, das Preisgeld den Opfern des Konflikts zu spenden. Gestiftet wurden die Nobelpreise von dem schwedischen Unternehmer und Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896). Die Verleihung des Friedensnobelpreises findet jedes Jahr am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo statt. 2015 ging der Friedensnobelpreis an das „Quartett für den nationalen Dialog“ in Tunesien. (epd)

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