Politik : Koma-Patientin Terri Schiavo gestorben

Nach 13 Tagen ohne Flüssigkeit und Nahrung / Ehemann verweigert Eltern Besuch am Sterbebett

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Terri Schiavo ist tot. Die amerikanische WachkomaPatientin starb 13 Tage, nachdem ihr die Magensonde entfernt worden war, die sie künstlich ernährt hatte. Dies hatte ihr Ehemann Michael Schiavo beantragt. Die Eltern der 41-Jährigen, Bob und Mary Schindler, hatten bis zuletzt vergeblich versucht, das Leben ihrer Tochter zu retten. US-Präsident George W. Bush drückte stellvertretend für Millionen Amerikaner sein Mitgefühl aus. Der Streit zwischen Gegnern und Befürwortern dieser Art von „Sterbehilfe“ ging dagegen unvermindert weiter.

Das Schicksal Schiavos hatte ganz Amerika beschäftigt und eine Wertedebatte entfacht. Am Ende des 15-jährigen Rechtsstreits schalteten sich sogar der Präsident und der amerikanische Kongress ein. Michael Schiavo hatte vor Gericht die Einstellung der künstlichen Ernährung seiner Frau durchgesetzt. Als ihr gesetzlicher Vormund machte er geltend, dass Ärzte seine Frau für irreversibel hirngeschädigt erklärt hatten und sie selbst lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt habe. Eine schriftliche Erklärung in Form einer Patientenverfügung gab es allerdings nicht.

Die Eltern dagegen, überzeugte Katholiken, wollten ihre Tochter am Leben erhalten. Sie bestritten, dass Terri habe sterben wollen, gänzlich ohne Bewusstsein sei und es keine Heilungschancen gebe. Im vergangenen Jahr sprach sich auch Papst Johannes Paul II. dafür aus, Schiavo weiter am Leben zu erhalten. Ein Vertreter des Vatikans verurteilte am Donnerstag den Tod der Patientin scharf und sprach von „Mord“.

Nach Bekanntwerden des Todes wurde im Abgeordnetenhaus von Florida eine Schweigeminute eingelegt. Gouverneur Jeb Bush sprach von den „schwierigsten Wochen“ seiner Amtszeit. Der Präsident forderte dazu auf, eine „Kultur des Lebens“ zu schaffen. Vor dem Hospiz in Pinellas Park brachen Dutzende von Demonstranten in Tränen aus. Dann sangen und beteten sie. Einige von ihnen hatten aus Solidarität mit Schiavo vor 13 Tagen ebenfalls damit begonnen, keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Mit Mahnungen zum Schutz des Lebens haben Vertreter der christlichen Kirchen in Deutschland reagiert. Der Fall habe „ uns schockierend vor Augen geführt“ wie leicht Ärzte, Pfleger, Angehörige oder Richter „zu Herren über Leben und Tod werden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann.

Der Streit zwischen dem Ehemann und den Eltern Schiavos ging unterdessen weiter. Die Eltern beschuldigten ihren Schwiegersohn, sie nicht bis zuletzt am Totenbett geduldet zu haben. Dies sei der „Gipfel der herzlosen Grausamkeit“, sagte der Geistliche Frank Pavone, der den Schindlers spirituell beisteht. Michael habe den unmitelbaren Abschied für sich allein beansprucht. Streit zeichnet sich auch über die Fage der Beisetzung Schiavos ab. Ihr Ehemann, der einer Obduktion zugestimmt hat, will den Leichnam anschließend nach Pennsylvania überführen und einäschern lassen. Bob und Mary Schindler dagegen wollen eine christliche Trauerfeier, ohne ihren Schwiegersohn, in Florida.

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