Kommandoübergabe in Bagdad : USA erklären Irakkrieg für beendet

US-Vizepräsident Jo Biden, Verteidigungsminister Robert Gates und US-Oberbefehlshaber Admiral Mike Mullen beim Festakt zur Beendigung des Irakkrieges in Bagdad. Foto: AFP
US-Vizepräsident Jo Biden, Verteidigungsminister Robert Gates und US-Oberbefehlshaber Admiral Mike Mullen beim Festakt zur Beendigung des Irakkrieges in Bagdad. - Foto: AFP

Mit einem militärischen Festakt haben die US-Streitkräfte in Bagdad ihre Kampfmission im Irak nach siebeneinhalb Jahren offiziell beendet.

US-Vizepräsident Jo Biden, Verteidigungsminister Robert Gates und US-Oberbefehlshaber Admiral Mike Mullen waren bei dem Festakt in Bagdad anwesen. „Operation Freiheit für Irak ist vorbei“, sagte Biden im zentralen Kuppelsaal von Saddam Husseins früherem Al-Faw-Palast. „Unser Ziel ist nicht nur ein territorial intakter Irak, sondern eine sichere, stabile und wirtschaftlich properierende Nation, die enge Beziehungen zu ihren Nachbarn unterhält“. Der monumentale Bau in „Camp Victory“ nahe dem Flughafen von Bagdad diente dem bisherigen US-Oberkommandierenden im Irak, General Ray Odierno, als Hauptquartier. Odierno übergab gleichzeitig das Kommando an seinen Nachfolger, General Lloyd Austin.

Gates, der erst Mittwoch früh angereist war, erklärte vor Soldaten, für die US-Armee beginne jetzt „die Schlussphase ihres Irakeinsatzes“. Erst die Geschichte werde beurteilen, ob dieser Krieg, seine Opfer und das Blutvergießen gerechtfertigt gewesen seien. Bis Ende 2011 bleiben noch rund 50.000 Offiziere und Mannschaften vor Ort. Ihre sechs Brigaden sollen die irakischen Sicherheitskräfte beraten und trainieren.

Alle amerikanischen Gäste appellierten eindringlich an die irakische Seite, sich sechs Monate nach den Wahlen endlich auf eine neue Regierung zu einigen. Biden, der sich bereits seit Montagabend in der irakischen Hauptstadt aufhält, versicherte allerdings allen politischen Gesprächspartnern, die USA hätten keinen bevorzugten Kandidaten für das Amt des Regierungschefs. General Odierno erklärte der „New York Times“, ein Versagen bei der Regierungsbildung könne das Vertrauen der Iraker in die Demokratie unterhöhlen. „Je länger es dauert, desto frustrierter könnten die Menschen werden“, sagte er. Ein möglicher Kompromisskandidat für das Amt des Regierungschefs, der bisherige Vizepräsident Adil Abdul-Mahdi, stellte im TV-Sender Al Jazeera „für die nächsten Tage“ politische Bewegung in Aussicht. „Alle sind erschöpft, die Leute sind realistischer geworden, vielleicht kommen wir jetzt schneller zu einer Einigung“, sagte er.

Iraks amtierender Premierminister Nuri al-Maliki hatte Tags zuvor in einer Fernsehansprache erklärt, nach dem Rückzug der US-Truppen liege die volle Verantwortung nun bei den irakischen Soldaten und Polizisten – und diese seien ihren Aufgaben gewachsen. „Dieser Tag wird allen Irakern im Gedächtnis bleiben“, sagte er. „Der Irak ist jetzt souverän, unabhängig und wird in Zukunft seine eigenen Entscheidungen treffen.“ Er versprach seinen Landsleuten, mehr für die Sicherheit zu tun. Kurz vor Ankunft von Jo Biden war Anfang der Woche sogar die US-Boschaft in der stark gesicherten Grünen Zone mit Katyusha-Raketen beschossen worden. Es wurde allerdings niemand verletzt.

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