Politik : Kommt der Wüsten-Transrapid?

Katar und Bahrain haben Interesse am Transrapid bekundet. Man werde das Projekt ernsthaft in Erwägung ziehen, signalisierten beide Regierungen beim Besuch von Gerhard Schröder. Jetzt hofft der Kanzler, dass sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate für die Magnetschwebebahn begeistern lassen.

Sanaa/Manama (02.03.2005, 16:46 Uhr) - Mit aktiver Unterstützung von Bundeskanzler Gerhard Schröder soll der deutsche Transrapid am Persischen Golf zum Einsatz kommen. Bei seinem Besuch in Bahrain und Katar erhielt der Kanzler positive Signale, dass eine Magnetbahnstrecke in der Golfregion gebaut werden kann. Am Mittwochnachmittag traf der Kanzler zu einem zweitägigen Besuch im Jemen ein.

Schröder lud ranghohe Regierungsvertreter aus beiden Emiraten nach Deutschland ein, um sich über die Technik zu informieren. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sollen eingebunden werden. Insbesondere will man mit dem Betreiberkonsortium ThyssenKrupp und Siemens prüfen, ob das Transrapid-System für die Bedingungen in der Wüste geeignet sind. Die möglichen Abnehmer sind auch daran interessiert, dass nicht nur Passagiere, sondern auch Lastcontainer befördert werden können.

Im Golfkooperationsrat, dem Kuwait, Saudi-Arabien, Oman, Bahrain, Katar und die VAE angehören, ist noch keine Grundsatzentscheidung darüber gefallen, welches Bahnsystem gebaut werden soll. Am aussichtsreichsten ist derzeit der Transrapid-Einsatz auf der Strecke von Bahrain nach Katar über eine geplante neue Brücke im Persischen Golf, die beide Länder verbinden soll. Eine Verlängerung wäre dann in die VAE wahrscheinlich. In deutschen Regierungskreisen zeigte man sich betont optimistisch, dass es jetzt wachsende Chancen für den Transrapid gebe.

Ein geplanter Großauftrag aus Bahrain an die Wiesbadener Firma Linde für den Bau einer petrochemischen Anlage mit einem Investitionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro konnte bei Schröders Besuch nicht unterzeichnet werden. Ursache waren Probleme mit dem Partner der deutschen Firma. Die offizielle Auftragsvergabe soll jetzt in zwei Wochen erfolgen.

Schröder zeigte sich zuversichtlich über weitere deutsche Aufträge beim Flughafenausbau und der Stromversorgung. Der Kanzler traf in Bahrain auch mit König Hamad Bin Isa al Chalifa zusammen und wurde vor dem Königspalast von einer Kapelle mit dem Donau-Walzer begrüßt. Schröder legte den Grundstein für eine private Europa-Universität, bei der sich auch die Hochschule in Hannover engagiert. Der kleine Inselstaat mit 700.000 Einwohnern ist das wichtigste Finanzzentrum am Persischen Golf. Rund 1000 deutsche Firmen sind dort tätig. Deutschland ist drittgrößter Handelspartner Bahrains.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa standen Gespräche mit Staatspräsident Ali Abdullah Salih sowie Ministerpräsident Abdelkadir Ba Dschammal auf dem Programm. Zu den Wirtschaftsvereinbarungen bei Schröders Besuch gehört die Lieferung von zehn Patrouillenbooten für die Küstenwache im Wert von 100 Millionen Euro, die auf der Bremer Lürssen-Werft gebaut werden. Siemens liefert drei Gasturbinen im Volumen von 130 Millionen Euro.

Das 17 Millionen Einwohner zählende Land gilt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von jährlich etwa 300 US-Dollar als eines der ärmsten Länder der Erde. Die Arbeitslosigkeit in dem nach Saudi-Arabien zweitgrößten Land der arabischen Halbinsel liegt bei 30 Prozent. Deutschland hat seit 1978 Entwicklungshilfe in Höhe von über 400 Millionen Euro geleistet und gilt als bevorzugter westlicher Handelspartner. Nach Lösegeld-Entführungen ist auch der Tourismus aus Deutschland deutlich zurückgegangen. Die Ölproduktion im Jemen steckt erst in den Anfängen. (tso) ()

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