Politik : Kommunalwahl im Kosovo: Für die Region beginnt jetzt der Alltag

Stephan Israel

Die Politiker der Kosovo-Albaner malen gerne in Schwarzweiß. Glaubt man ihren Schilderungen, besteht zwischen einem Slobodan Milosevic und seinem Nachfolger Vojislav Kostunica kein Unterschied. Doch der Sturz des Belgrader Autokraten hat auch im Kosovo das ganze Koordinatensystem verschoben. Denn mit der Wende in Belgrad ist die Gefahr einer gewaltsamen Rückkehr der serbischen Armee in den Kosovo auf absehbare Zeit gebannt. Und der Mann, den man zum großen Teil zu Recht für alles Übel verantwortlich gemacht hat, ist plötzlich von der Bühne verschwunden. Milosevic kann nicht mehr als Entschuldigung herhalten, wenn es im Kosovo nicht vorwärts geht.

Im Kosovo geht man derzeit noch rückwärts in die Zukunft. Im Wahlkampf für die Kommunalwahl am Samstag - deren erste Ergebnisse frühestens am Sonntag zu erwarten sind - stritten sich künftige Kommunalpolitiker darum, wer mehr für die "Befreiung" des Kosovo getan hat. Noch geht es um Patriotismus. Die Gemeinderäte werden sich aber mit ganz praktischen Problemen des Alltags befassen müssen.

Dabei dürfte die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) von Ibrahim Rugova nach Schätzungen der UN-Verwaltung im Kosovo zwischen 30 und 40 Prozent der Sitze erobern. Die LDK hat bis 1998 das politische Leben im Kosovo mit ihrer Strategie des passiven Widerstandes gegen das Belgrader Regime dominiert. Rugova war gleichzeitig die unangefochtene Symbolfigur der Gandhi-Strategie. Ab 1998 stellten Studentenorganisationen und Anhänger der "Kosovo-Befreiungsarmee" (UCK) das politische Monopol der LDK in Frage. Rugova wurde vorgeworfen, er habe mit seiner passiven Politik den Status Quo zementiert.

Die "Partei des Demokratischen Kosovo" (PDK) des 31-jährigen Ex-Rebellenführer Hashim Thaci ist aus den Reihen der ehemaligen UCK hervorgegangen und nimmt für sich in Anspruch, die Nato ins Land geholt und die serbische Besatzungsmacht vertrieben zu haben. Die Partei des ehemaligen UCK-Kommandanten aus dem Drenica-Gebiet dürfte auf etwa 15 bis 20 Prozent der Sitze kommen. Als etwa gleich stark wird die "Allianz für die Zukunft des Kosovo" (AAK) von Rahmush Haradinaj, auch er ein ehemaligen Rebellenführer, geschätzt.

Insgesamt haben 20 Parteien rund 5500 Kandidaten aufgestellt. Alle Parteien der Kosovo-Albaner treten für die Unabhängigkeit ein. Mit im Rennen sind aber auch eine Roma-Partei, drei Parteien der bosnischen und eine Partei der türkischen Minderheit. Von den knapp 10 000 Angehörigen der serbischen Minderheit haben sich nur knapp 1000 für die Wahl registrieren lassen.

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