Politik : Kommunalwahl in Montenegro: Milosevic-Gegner Sieger in Montenegros Hauptstadt Podgorica

Bei Kommunalwahlen in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro am Sonntag hat die Koalition des pro-westlichen Präsidenten Milo Djukanovic in der Hauptstadt Podgorica den Sieg davongetragen. Im kleinen Adria-Kurort Herceg Novi mit zahlreichen serbischen Flüchtlingen aus Bosnien und Kroatien konnte dagegen den Hochrechnungen vom Montag zufolge Djukanovics Rivale, der jugoslawische Ministerpräsident Momir Bulatovic, die meisten Stimmen auf sich vereinen. Die vorgezogenen Wahlen vom Sonntag galten als Stimmungstest für Djukanovics Politik der Abgrenzung von Belgrad. Insgesamt war knapp ein Drittel der montenegrinischen Wahlberechtigten zur Stimmenabgabe aufgerufen: 112 000 in Podgorica und 22 000 in Herceg Novi. In beiden Städten lag die Beteiligung bei jeweils rund 75 Prozent.

Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen kann Djukanovics Koalition "Besser leben" mit 28 der 54 Sitze im Stadtrat von Podgorica rechnen, Bulatovics Bündnis "Für Jugoslawien" käme demnach auf 22 Sitze. In Herceg Novi hätte die Bulatovic-Partei mit 19 Mandaten die Mehrheit im Stadtrat, "Besser leben" nur 14 der insgesamt 35 Mandate. In dem Seebad leben auch viele Angehörige der in Montenegro stationierten jugoslawischen Armee.

Djukanovic und Bulatovic waren früher enge Gefolgsleute des jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic. Der Altkommunist Bulatovic, ehemals Präsident Montenegros, hält Milosevic bis heute die Treue. An seinem Wahlbündnis sind neben seiner eigenen Sozialistischen Volkspartei die Jugoslawische Linke von Milosevics Frau Mira Markovic und die Serbischen Radikalen von Vojislav Seselj beteiligt. Djukanovic entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem erklärten Gegner von Milosevic, den er für die internationale Isolierung verantwortlich macht. Mit Hilfe des Westens betreibt er eine zunehmend eigenständige Politik, ist aber bisher vor dem letzten Schritt, einer Unabhängigkeit Montenegros, zurückgeschreckt.

Djukanovic sprach in einer ersten Reaktion von einem "politischen Triumph" seines Dreier-Bündnisses unter Führung der Demokratischen Partei der Sozialisten. Sein Sieg in der Hauptstadt sei wichtiger als die Niederlage in Herceg Novi.

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