Politik : Kommunalwahlen in Frankreich: Rot-Grün: Gemeinsame Liste für Paris

Eric Bonse

Im Rathaus der französischen Hauptstadt Paris rückt ein Machtwechsel in greifbare Nähe. Beim ersten Durchgang der landesweiten Kommunalwahlen stiegen die oppositionellen Sozialisten in Paris mit 31,3 Prozent der Stimmen erstmals zur stärksten Partei auf. Die Grünen kamen auf 12,3 Prozent, in einigen Stadtbezirken sogar deutlich über 20 Prozent. Gestern kündigten Sozialisten und Grüne eine Fusion ihrer Wahllisten für den zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag an. Damit zeichnet sich ein Sieg des sozialistischen Bürgermeisterkandidaten Bertrand Delanoe ab.

Der gaullistische Bürgermeisterkandidat Philippe Seguin kam nur auf 25,7 Prozent, auf Noch-Bürgermeister Jean Tiberi entfielen 13,9 Prozent der Stimmen. Séguin und Tiberi konnten sich bisher nicht auf eine gemeinsame Strategie für den 2. Wahlgang einigen. Seguin forderte seinen Rivalen noch am Wahlabend zum Rückzug auf. Tiberi plädierte hingegen für eine Fusion der beiden bürgerlichen Listen.

Es wäre das erste Mal seit 130 Jahren, dass die französische Hauptstadt von der Linken regiert wird. Eine Niederlage der bisher regierenden Gaullisten könnte zudem die Position von Staatschef Jacques Chirac schwächen, der Paris seit 1977 zu einer gaullistischen "Festung" ausgebaut hatte. Eine erste symbolische Niederlage musste Chirac schon beim ersten Wahlgang in der zentralfranzösischen Kleinstadt Tulle hinnehmen: Die historische Bastion des "Chiracismus" wurde ausgerechnet von Sozialistenchef Francois Hollande mit 53 Prozent der Stimmen im Sturm erobert.

Ein klarer Trend zu Gunsten der regierenden Linken lässt sich aus dem ersten Durchgang der Kommunalwahlen jedoch nicht ablesen. Bei einer enttäuschenden Wahlbeteiligung von 62 Prozent errangen Sozialisten, Kommunisten und Grüne landesweit 47,5 Prozent der Stimmen, die Rechte liegt mit 52,5 Prozent vorn. Bei den gleichzeitig abgehaltenen Kantonalwahlen erzielte die Linke hingegen einen Zuwachs. Die meisten politischen Beobachter sind sich daher einig, dass es für Rückschlüsse auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu früh ist.

Nur eines lässt sich schon jetzt erkennen: "Die Franzosen machen, was sie wollen" (so die Zeitung "Le Parisien") - und sie mögen keine Ämterhäufung. Besonders schmerzlich musste dies Arbeitsministerin Elisabeth Guigou erfahren: Im südfranzösischen Avignon erlitt sie eine schwere Niederlage und schlitterte um 62 Stimmen am sofortigen Aus vorbei. Auch der populäre Transportminister Jean-Claude Gayssot und Europaminister Pierre Moscovici holten sich in Beziers und Montbeliard blutige Nasen. Selbst Ex-Arbeitsministerin Martine Aubry und Erziehungsminister Jack Lang müssen um ihre Wahl in Lille und Blois bangen.

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