Kommunion auch für Geschiedene : Die katholische Kirche mildert eine Todsünde

Die deutsche Bischofskonferenz will auch wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zulassen. Das lässt sich nicht hoch genug bewerten. Ein Kommentar.

Teilen, auch mit wiederverheirateten Geschiedenen. Die deutschen Bischöfe öffnen die Kommunion.
Teilen, auch mit wiederverheirateten Geschiedenen. Die deutschen Bischöfe öffnen die Kommunion.Foto: dpa

Im Jahr des Reformationsjubiläums kommt die erste große kirchliche Veränderung von – den Katholiken. Wer geschieden ist und wieder heiratet, darf künftig auch die Kommunion empfangen. So hat es die Deutsche Bischofskonferenz verkündet. Und damit das Heilige etwas zugänglicher gemacht und eine Todsünde etwas milder.

Wie so oft bei großen Veränderungen in der katholischen Kirche ist es auch diesmal kein gerader Schritt nach vorne. Eher einer zur Seite und ein bisschen vorwärts. Es sind schließlich nicht von jetzt auf gleich alle Wiederverheirateten zur Kommunion zugelassen. Die Bischöfe schreiben von Einzelfällen und davon, dass diese Einzelfälle von einem Seelsorger begleitet werden sollten. Es gibt also keine neue Regel – aber erstmals zugelassene Ausnahmen, und das lässt sich nicht hoch genug bewerten.

Dieser eine Schritt hat gedauert. Zehn Monate lang haben sich die Bischöfe Zeit gelassen, um den Papst in ihrem Sinne zu interpretieren. Im April 2016 hatte Papst Franziskus in seinem Schreiben „Amoris laetitia“ über Liebe und Familie erklärt, dass Geschiedene sich nicht exkommuniziert fühlen sollen, sondern innerhalb der Kirche „leben und reifen“. Sie können das nun in Deutschland, indem sie in einem begleiteten Prozess an dem teilhaben, was der katholischen Kirche wirklich heilig ist.

Die Ehe ist ein Sakrament, die Kommunion ebenfalls. Die deutschen Bischöfe werten mit ihrem Wort keines der beiden ab, sie passen nur eines davon an, die Ehe. Sie soll deshalb nicht geschieden werden, weil sie auch als Symbol der ewigen Verbindung zwischen Gott und Kirche gilt. Aber über diese Analogie lässt sich noch einmal nachdenken.
Schon 2013 hatte Freiburg, die zweitgrößte deutsche Diözese, angekündigt, auch wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. In der Praxis war das auch schon so geschehen. Daher dient die Botschaft der Bischöfe jetzt auch der Ehrlichkeit.

Das ist ohnehin nicht so einfach beim Thema Liebe, Ehe, Scheidung und Wiederheirat. Es kommt sogar vor, dass Geschiedene in einer katholischen Kirche noch einmal getraut werden. Nur heißt das dann nicht Trauung, sondern Segnung. Und um die verschämte Zeremonie komplett zu machen, findet sie nicht im Hauptschiff der Kirche statt, sondern am Rand oder in einer Kapelle. Gefeiert werden kann sie auf diese Weise ohnehin nur, wenn das Paar einen gutwilligen Priester findet.

Die Kommunion für wiederverheiratete Christen zeigt, dass die eine katholische Weltkirche verstärkt regionalen Eigenheiten verstärkt ausprägen könnte. Je nachdem, wer wo den Papst wie versteht und verstehen will. Das gesellschaftlich bedingte Bedürfnis nach Entscheidungen wie dieser ist eben in Deutschland deutlich größer als etwa in Südamerika. Franziskus vergibt sich durch Schriften wie „Amoris laetitia“ daher nichts. Er hat das erste Wort und überlässt das letzte manchmal anderen. Niemand dürfe auf ewig verurteilt werden, denn das sei nicht in der Logik des Evangeliums, hat er geschrieben.
Noch ist nicht die ganze Hand der katholischen Kirche für wiederverheiratete Christen ausgestreckt. Es sind aber immerhin mehrere Finger.

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