Politik : Kommunist Christofias wird Präsident von Zypern

Gerd Höhler

Athen - Der Kommunist Dimitris Christofias ist neuer Präsident Zyperns. Der 61-jährige Generalsekretär der kommunistischen „Wiederaufbaupartei des werktätigen Volkes“ (Akel) gewann am Sonntag in der Stichwahl mit rund 54 Prozent der Stimmen gegen den Konservativen Ioannis Kassoulidis (59). Der frühere Außenminister und derzeitige EU-Abgeordneten Kassoulidis erreichte 46 Prozent. Den ersten Wahlgang vergangene Woche hatte er knapp gewonnen. Dann aber gab die Demokratische Partei (Diko) des in der ersten Runde gescheiterten Ex-Präsidenten Tassos Papadopoulos eine Wahlempfehlung für Christofias ab. Der versprach der Diko mehrere Ministerämter.

Der Präsident des griechischen Inselteils ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Von parlamentarischen Mehrheiten ist er praktisch unabhängig. Nach dem Ende der Ära Papadopoulos hofft man jetzt auf neue Bewegung in der Zypernfrage. Christofias hatte vor der Wahl neue Verhandlungen angekündigt. Bemühungen um eine Wiedervereinigung waren 2004 eingeschlafen, nachdem die griechischen Zyprer einen Einigungsvorschlag des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan abgelehnt hatten. Zypern ist geteilt, seit die Türkei im Sommer 1974 den Inselnorden militärisch besetzte. Christofias will zu den Zyperntürken „Brücken bauen“. Bald will er mit dem türkischen Volksgruppenchef Mehmet Ali Talat zusammentreffen. Talat hat bereits erklärt, „mit gutem Willen und Vertrauen“ sei die Zypernfrage innerhalb eines Jahres lösbar. Gerd Höhler

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