Politik : Komplexe Klone

Die meisten Experten sagen: Menschen darf man nicht kopieren – auch wenn es bald möglich sein sollte

Hartmut Wewetzer

DIE DEBATTE UMS KLONEN

Ein bisschen verloren wirkte das Häufchen der Demonstranten schon, das sich zum Auftakt der internationalen Berliner Klon-Konferenz in weißen Kitteln und mit „Stoppt PID & Klonen“-Schildern vor dem Tagungshotel im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln aufgestellt hatte. Woran sich gleich die Frage anschließt, ob es in der Bundesrepublik eigentlich noch etwas zu stoppen gibt: Das Klonen ist ebenso verboten wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) oder das Herstellen embryonaler Stammzellen. Darauf folgt die zweite Frage: Wozu dann noch einen Kongress zum Thema Klonen, veranstaltet vom Forschungsministerium?

Da ist zum einen die politische Großwetterlage – Stichwort: weltweites Klonverbot. Der Bundestag hat im Februar gegen jede Form von Klonen votiert und die Bundesregierung beauftragt, den Bann weltweit durchzusetzen. Ob das gelingt, steht allerdings in den Sternen. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn stellte fest, dass es schwierig sei, „in einer pluralistisch geprägten Welt für ethische Zweifelsfragen allgemein akzeptierte Lösungen zu finden“. Ruth Reusser, Vorsitzende des Lenkungsausschusses für Bioethik des Europarates, plädierte für kleine Schritte, anstelle von „Maximalforderungen“. Ein Verbot des reproduktiven Klonens wäre schon ein guter Anfang.

In den letzten Wochen haben wissenschaftliche Erkenntnisse den Horizont dramatisch erweitert – die Berliner Konferenz war deshalb eine Bestandsaufnahme der Forschung und ihrer möglichen ethischen Konsequenzen. Viel diskutiert wurde eine Studie der Stammzellforscher Hans Schöler und Karin Hübner, die an der Universität von Pennsylvania arbeiten. Sie fanden heraus, dass sich aus embryonalen Stammzellen der Maus Eizellen züchten lassen. Damit wäre ein wichtiger Einwand gegen das therapeutische Klonen vom Tisch. Mit dem Verfahren soll Ersatzgewebe (Stammzellen) für Kranke aus deren Erbmaterial gezüchtet werden. Bisher glaubte man, gespendete Eizellen von Frauen zu brauchen, um einen Klon heranzuziehen. Wenn man Eizellen nun in der Petrischale vermehrt, wird das einfacher.

Eine Bresche also für das therapeutische Klonen, das viele Forscher wegen seines medizinischen Potenzials befürworten – darin anderer Meinung als der Bundestag mit seiner „Totalopposition“.

Noch zweifelhafter als bisher erscheint dagegen das reproduktive Klonen, also das Menschenkopieren. Eine zweite Studie hat nun in Frage gestellt, ob das Klonen von Affen und Menschen überhaupt funktioniert. Es scheitert möglicherweise an prinzipiellen zellbiologischen Unterschieden zu anderen Säugetieren. Vielleicht bleibt der erste Menschenklon also Fiktion.

Vielleicht aber auch nicht. Zwar gebe es vieles, was gegen die technische Machbarkeit spreche, sagte der Fortpflanzungsmediziner Wolfgang Holzgreve von der Universität Basel. „Aber Prognosen haben sich oft als falsch erwiesen. Auch die Reagenzglasbefruchtung wurde für unmöglich gehalten – bis sie 1978 Wirklichkeit wurde.“ Holzgreve lehnt das reproduktive Klonen ab, wie sicher die meisten Konferenzteilnehmer. Er bejaht dagegen das Klonen zu medizinischen Zwecken –wenn auch „mit Unbehagen“. So wird es manchem seiner Kollegen gehen.

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