Konferenz auf Bali : Rushhour für das Weltklima

Das Thema Klima ist auf der Agenda der Welt-Top-Themen ein paar Stufen nach oben geklettert – Immerhin 180 Staaten diskutieren auf Bali miteinander. Unterschiedliche Staatsinteressen lassen jedoch befürchten: Eine Einigung ist fast unmöglich.

Simone Bartsch

Berlin/BaliWährend Knut heute in Berlin seinen ersten Geburtstag feiert, verhandeln rund 10.000 Delegierte bei der Weltklimakonferenz in Bali über einen Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls von 1997 und damit auch über das Schicksal von Knuts Artgenossen. Doch schon die ersten Verhandlungstage auf Bali zeigen: Eine Einigung aller 180 vertretenen Staaten liegt in weiter Ferne. „Die Meinungen darüber, was hier das Ergebnis sein soll, sind höchst unterschiedlich“ äußert sich der Chef des Klimasekretariats Yvo de Boer verhalten. Grund für diese skeptische Haltung sind vor allem die unterschiedlichen Positionen der Länder und ihre mehr oder minder vorhandene Bereitschaft, sich auf einheitliche Standards festzulegen.

Die EU zeigt sich verhandlungswillig

So gibt es die Verhandlungswilligen der Klimakonferenz, zu denen vor allem die Europäische Union zählt. Sie versucht sich in der Rolle des Vorreiters im Klimaschutz und steckt sich ehrgeizige Ziele. Neben einem Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll, das 2012 auslaufen wird, will sich die EU selbst verpflichten, bis 2020 die eigenen Emissionen um bis zu 30 Prozent zu verringern – allerdings nur, wenn andere Industriestaaten sich ebenfalls anschließen. EU-Mitgliedsstaat Deutschland möchte mit besonders gutem Beispiel voran gehen. Mit seinem heute verabschiedeten Klimaschutzpaket signalisiert die Bundesregierung dem Rest der Welt: Wir tun etwas. Das muss Deutschland auch, denn ein Deutscher stößt im Schnitt zehn Tonnen Treibhausgas pro Jahr aus, ein Chinese vergleichsweise nur dreieinhalb, ein Inder sogar weniger als eine Tonne.

Schwellenländer schieben Verantwortung ab

Auf diesen Zahlen ruhen sich andere Teilnehmerstaaten gerne aus. Schwellenländer wie China und Indien zählen zu den Semi-Verhandlungswilligen: Sie befürworten zwar eine weltweite Emissionssenkung, stellen ihr wirtschaftliches Wachstum jedoch über den Klimaschutz. Außerdem sehen sie die Industrienationen in der Verantwortung, die Emissionen zu senken, da diese schließlich ihren Wohlstand zum Nachteil des Weltklimas erlangt hätten. Eine verbindliche Regelung in Bali über Grenzwerte und Klimaziele lehnen sie tendenziell eher ab. Und das, obwohl sich Chinas CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt haben und Indien zu den zehn Ländern mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß zählt.

Schützenhilfe bekommen Staaten wie China oder Indien aber auch von Industriestaaten: Die USA, Japan und Kanada kristallisieren sich zurzeit als Gegner einheitlicher Richtlinien heraus. Die USA, die als einzige Industrienation nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, stehen auf Platz eins der Klimasünder. Kanada ist zwar Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, hat aber die Vorgaben bislang weit verfehlt. Der Treibhausgas-Ausstoß ist in den vergangenen Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen. Japan setzt sich zwar zum Ziel, die eigenen Emissionen stark zu senken, möchte aber selbst entscheiden, wie dieses Vorhaben umgesetzt werden kann.

Die Leidtragenden sind die Entwicklungsländer

Zu guter Letzt gibt es auf Bali noch die eher Unbeteiligten. Zu diesen zählen vor allem die Entwicklungsländer, die selbst nur verhältnismäßige geringe Emissionswerte aufweisen, aber dennoch die Leidtragenden des Klimawandels sind. „Wenn so klar ist, dass die Industrieländer ihre Verpflichtungen nicht einhalten, wie kann man dann von den Entwicklungsländern erwarten, dass sie eigene Beiträge zum Klimaschutz leisten?“, fragt die Vorsitzende der Umweltorganisation „Friends of the Earth“, Meena Raman. Ähnlich wie die Schwellenländer sehen sie vornehmlich die Industrienationen in der Pflicht, etwas zu tun.

Ob sich die Mitglieder der Weltklimakonferenz bei der derzeitigen Gruppenbildung überhaupt auf einen neuen Vertrag oder zumindest partiell einheitliche Regelungen einigen werden, ist ungewiss. Zumindest ist es aber gelungen, fast sämtliche Staaten der Erde im Namen des Klimas an einen Verhandlungstisch zu bringen. Ein erster Erfolg.

 

 

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