Konferenz in Dublin : Viele Staaten verbieten Streubomben

Auf einer Konferenz zum Verbot von Streubomben haben sich die 109 teilnehmenden Länder auf ein Verbot dieser Waffen geeinigt. Die USA, Israel, Russland und China, die Streubomben in großem Umfang produzieren, waren aber nicht mit von der Partie.

Libanon
Ein Soldat hält eine gefährliche Streubombe in den Händen. -Foto: dpa

Dublin"Der Text wurde von allen Delegierten angenommen", sagte eine Sprecherin des irischen Außenministeriums am Mittwochabend in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach zehntägigen Verhandlungen einigten sich die Teilnehmer demnach auf ein weitreichendes Abkommen, mit dem sie Einsatz, Herstellung, Transport und Lagerung von Streubomben ein Ende setzen. Zudem verständigten sie sich darauf, Opfern finanzielle Hilfe zu gewähren.

Streubomben (englisch: Cluster Bomb Units - CBU) sind in einer Bombe verpackte Sprengsätze. Streubomben-Behälter, also große Bomben oder Raketen, können von Flugzeug abgeworfen oder vom Boden aus, etwa mit Raketenwerfern, abgeschossen werden. Sie öffnen sich noch in der Luft und setzen bis zu 650 kleine Bomben frei. Weil sich die Sprengsätze in der Luft verteilen, entfalten die Streubomben ihre Wirkung in einem großen Radius. Eine Fläche von tausenden Quadratmetern kann regelrecht leer gesprengt werden.

Bereits über 100.000 Menschen wurden getötet

Streubomben haben einen sensiblen Zündmechanismus. Deshalb können Blindgänger schon bei der geringsten Berührung detonieren. Eine Streubombe kann jahrelang unentdeckt herumliegen, ehe ein spielendes Kind oder ein Bauer darauf stößt. Seit dem Beginn des Einsatzes von Streuminition wurden laut Schätzungen der Hilfsorganisation medico international etwa 100.000 Menschen durch diese Waffenart getötet. Jedes Jahr kommen nach Schätzungen von Behindertenorganisationen zwischen 15.000 und 20.000 Menschen durch herumliegende Streubomben oder Minen zu Schaden. Streuwaffen kamen unter anderem im Irak-Krieg, im Libanon-Krieg, in Laos und in Afghanistan zum Einsatz.

Militärs verweisen darauf, dass dem Gegner mit Streubomben ohne den Einsatz von Bodentruppen großer Schaden zugefügt werden kann. Zu den führenden Herstellern von Streubomben gehören Russland, die USA, Israel, Pakistan, Indien und China: Sie nahmen an den Beratungen in Dublin nicht teil. Die Bundeswehr verfügt eigenen Angaben zufolge über vier verschiedene Streumunitionsmodelle, die jedoch noch nie in Einsätzen verwendet worden seien. Die Organisation Handicap International geht davon aus, dass 77 Staaten Streubomben lagern. (sba/AFP)

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