Konferenz in Katar : Syrische Opposition sucht Einheit

Auf einer Konferenz in Katar bemüht sich die zersplitterte syrische Opposition um Einigkeit und internationale Anerkennung. Der Einfluss der Exilanten soll zurückgedrängt werden. Syrische Panzer sind auf die Golanhöhen vorgerückt.

Zu Beginn des Treffens am Sonntag stellte der Dissident Riad Seif einen Plan vor, der den Einfluss des derzeit dominierenden Syrischen Nationalrats (SNC) zurückdrängen würde. Regierungsgegner, die noch immer in Syrien kämpfen, sollen demnach besser repräsentiert werden. Ein Scheitern könnte die Opposition wichtige internationale Hilfe kosten. Syrische Panzer auf den Golanhöhen nahe der israelischen Grenze schürten derweil Befürchtungen vor einer Ausweitung des Konflikts auf die Region.

Dem Plan zufolge soll der Nationalrat in einem 50-köpfigen Führungsgremium nur noch 15 Sitze erhalten, um Platz für die in Syrien kämpfenden Rebellen zu machen. Bisher besteht der Rat hauptsächlich aus Exilsyrern und Akademikern. Er wurde als ineffektiv kritisiert. Dissident Seif erklärte, wenn der SNC den Plan annehme, werde die internationale Gemeinschaft eine Konferenz der Freunde Syriens einberufen, einer Allianz von Ländern, die sich hinter die Rebellen gestellt haben. Das Treffen solle in Marokko stattfinden. Mit einer Entscheidung über den Plan werde am Donnerstag, dem letzten Tag des Treffens in Katar, gerechnet, sagte Seif weiter. In Marokko würden dann etwa hundert Länder die neue Führung als einzige legitime Vertretung der Syrer anerkennen.

Vertreter des SNC kritisierten den Plan des Dissidenten. Nationalratschef Abdelbasset Sieda erklärte, der SNC müsse in dem neuen Gremium mindestens 40 Prozent der Mandate erhalten.

Unterdessen wuchs die Befürchtung, der syrische Bürgerkrieg könne sich auf die ganze Region ausweiten. Am Wochenende drangen syrische Panzer in die entmilitarisierte Zone auf den Golanhöhen nahe der Grenze zu Israel ein. Die israelischen Streitkräfte gingen allerdings davon aus, dass der Vormarsch am Samstag keine Aggression gegen Israel darstellte, sondern im Zusammenhang mit den Kämpfen gegen die Aufständischen in Syrien stand.

Nachdem am Samstagnachmittag drei syrische Panzer in die Pufferzone auf den Golanhöhen vorgerückt waren, legte Israel Beschwerde bei der dort stationierten UN-Friedenstruppe ein, wie eine Sprecherin der Streitkräfte mitteilte. Die Panzer sowie zwei gepanzerte Transportfahrzeuge seien wenige Kilometer von israelischen Stützpunkten entfernt vorbeigefahren, berichtete die Nachrichtenwebsite Ynet. Sie seien in das Dorf Bir Adscham eingedrungen und hätten sich an Kämpfen gegen syrische Rebellen beteiligt. Zuvor seien bereits mehrere Mörsergranaten in der entmilitarisierten Zone eingeschlagen, berichtete Ynet.

Die relativ zurückhaltende Reaktion der israelischen Streitkräfte deutete darauf hin, dass sie die Panzer nicht als direkte Bedrohung wahrnahmen. Dennoch habe das Nordkommando seine Soldaten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, berichtete die „Jerusalem Post“ auf ihrer Internetseite. Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 erobert und später annektiert.

Derweil griffen Rebellen einen Luftwaffenstützpunkt im Norden des Landes an und lieferten sich heftige Gefechte mit den Regierungstruppen von Präsident Baschar Assad. Auch aus anderen Teilen Syriens wurden am Sonntag wieder Kämpfe gemeldet. In der syrischen Hauptstadt Damaskus explodierte Medienberichten zufolge am Sonntag nahe einem großen Hotel ein Sprengsatz.

Nach tagelangen Gefechten nahmen syrische Rebellen offenbar ein Ölfeld nahe der Grenze zum Irak von den Regierungstruppen ein. Die Rebellen hätten das Feld Al Ward in der Provinz Deir el Sur am Sonntag unter ihre Kontrolle gebracht, erklärte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Kurz vor der Übernahme der Anlagen durch die Aufständischen nach dreitägigen Gefechten, hätten sie noch funktioniert, sagte der Aktivist Omar Abu Leila vor Ort.

Etwa 40 Regierungssoldaten bewachten nach Angaben der Beobachtungsstelle das Ölfeld. Die Aufständischen hätten mehrere von ihnen gefangen genommen. Über das Feld sei die Regierung mit Treibstoff für ihre Panzer beliefert worden, sagte Abu Leila der Nachrichtenagentur AP. „Unser Ziel war es, diese Lieferungen zu stoppen.“ Vor Beginn der Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus exportierte Syrien täglich 150.000 Barrel Öl. Allein die Europäische Union importierte 2010 Erdöl im Wert von 4,4 Milliarden Dollar aus Syrien. (dapd)

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