Politik : Konferenz Rural 21: Bundespräsident Rau: Standortwettbewerb nicht auf Kosten der Umwelt

Bundespräsident Johannes Rau hält die Einführung einer europäische Umweltpolitik mit ökologischen Mindeststandards für eine dringende Aufgabe. Dies sei auch ein Weg zur Stärkung des ländlichen Raum, sagte der Bundespräsident am Montag in Potsdam zum Auftakt der internationalen Konferenz zur Zukunft solcher Regionen. "Wer in dieser gemeinsamen Welt glaubt, wirtschaftliche Standortkonkurrenz über niedrige Umweltstandards führen zu können, der erliegt einem Irrtum, vor dem er durch entsprechende politische Entscheidungen bewahrt werden muss."

In Potsdam diskutieren bei der internationalen Konferenz "rural 21" 300 Experten aus 43 Ländern vier Tage über die Zukunft des ländlichen Raum. Sie erörtern Strategien, wie die Regionen für die Menschen attraktiv zu gestalten sowie Hunger und Unterernährung zu bekämpfen sind.

Zur internationalen Agrarpolitik sagte Rau: "Wir müssen uns fragen, ob die europäische Landwirtschaftspolitik unseren eigenen Ansprüchen an Gerechtigkeit und globale Verantwortung entspricht." Kaum jemand stelle laut die Frage, was subventionierte Agrarexporte in den Entwicklungsländern bewirken oder anrichten können. Es sollten neue Wege gefunden werden, um die berechtigten Interessen der deutschen Landwirte so zur Geltung kommen zu lassen, dass sie nicht zu Lasten ihrer Kollegen im Süden der Welt gehen. Die Globalisierung der Wirtschaft dürfe nicht zu einer vertieften Spaltung der Welt in Arm und Reich führen, forderte Rau.

Vor der Konferenz hatte die Umweltschutz-Organisation Greenpeace aus Protest gegen die Gentechnik-Politik der Bundesregierung eine Fuhre Mist abgeladen. Die Polizei versuchte, die Aktion zu unterbinden. Konferenzteilnehmer nahmen den Weg durch die Tiefgarage.

Die "rural 21" soll nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) zeigen, welche Instrumente, Strategien und Konzepte es zur Entwicklung des ländlichen Raums gibt. Diese Regionen müssten an einer sich ständig verändernden, zunehmend globalisierten Welt ausgerichtet werden. Problem sei, dass 20 Prozent der Menschheit in absoluter Armut lebten, fast 800 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung litten und nutzbare Wasservorräte immer knapper würden. Es müsse gelingen, Lösungen für die brennenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme zu finden, damit sich ländliche Räume auf nachhaltige Weise entwickeln und entfalten könnten. Ziel müsse es sein, die ländlichen Regionen lebenswert zu erhalten und den Menschen zu zeigen, dass sie und auch ihre Kinder dort eine Zukunft hätten.Nach Angaben von EU-Agrarkommissar Franz Fischler bieten die neuen Informationstechnologien und Dienstleistungen eine gute Chance, Arbeitsplätze auch außerhalb der Städte zu schaffen und somit den ländlichen Raum zu stärken, was die Landwirtschaft allein nicht könne. Fischler sieht vor allem in Osteuropa Handlungsbedarf zum Erhalt des ländlichen Raums, weil dort vielfach die dörflichen Strukturen fehlen.

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