Konferenz : UN-Sicherheitsrat tagt erneut über iranischen Atomprogramm

Im Ringen um eine gemeinsame Haltung zum iranischen Atomprogramm unternehmen die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland am Freitag einen neuen Einigungsversuch. Russland droht offenbar, nun ebenfalls für die Sanktionen stimmen zu wollen.

Moskau/TeheranBei dem Treffen in London soll nach Angaben der Moskauer Agentur Interfax über schärfere UN-Sanktionen gegen Iran beraten werden. Russland und China lehnen solche Pläne bisher ab. In Moskau wurde weiter über das wahre Ziel eines Kurzbesuchs von Außenminister Sergej Lawrow in Teheran am vergangenen Dienstag spekuliert. Der Minister sei nur zwei Wochen nach Präsident Wladimir Putin in Teheran gewesen, um die Iraner zumindest vorübergehend von der Urananreicherung abzubringen. Das berichtete die Moskauer Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" unter Berufung auf russische Diplomaten.

Russland droht offenbar mit Sanktionen

Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" hatte am Vortag unter Berufung auf eine Quelle im Kreml gemeldet, Lawrow habe den Iranern zur Urananreicherung gar ein Ultimatum gestellt. Demnach drohte der Minister damit, dass sich Russland im Weltsicherheitsrat neuen Sanktionen nicht mehr widersetzen werde. Als Druckmittel könnte Russland von der Fertigstellung des ersten iranischen Atomkraftwerkes in Buschehr abrücken. Die Moskauer Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" sprach von einem "Geheimbesuch" Lawrows.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad drohte der EU mit Konsequenzen, falls sie sich kürzlich erlassenen US-Sanktionen anschließen würde. "Falls sie (die Europäische Union) mit dem Feind (USA) kooperieren will, würden wir das als feindseligen Akt betrachten und entsprechend reagieren", sagte er laut Nachrichtenagentur Fars. Washington hatte kürzlich im Alleingang die umfassendsten Sanktionen gegen den Iran seit der islamischen Revolution von 1979 verhängt und damit den Druck auf Teheran verstärkt.

Weitere Maßnahmen noch offen

Die internationale Gemeinschaft verlangt einen Stopp der Urananreicherung in Iran und hat bereits Sanktionen verhängt, um Teheran zum Einlenken zu bewegen. Lawrow hatte vor iranischen Journalisten gesagt, schärfere UN-Sanktionen seien "für die Fortsetzung der gemeinsamen Bemühungen nicht hilfreich". Die Urananreicherung hat unter anderem zum Verdacht geführt, Teheran betreibe heimlich die Entwicklung von Atomwaffen statt eine rein zivile Nutzung der Kernenergie anzustreben. Der Iran hat dies stets bestritten.

Russland versucht unterdessen nach Einschätzung von Beobachtern mit allen Mitteln, den für November geplanten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien zum iranischen Atomprogramm zu entkräften. Der Weltsicherheitsrat will weitere Schritte im Atomstreit mit Iran von diesem Bericht abhängig machen. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben