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Konflikt in der Ostukraine : Ukrainische Behörden: 34 Zivilisten getötet

Die Kämpfe in der Ostukraine gehen unvermindert weiter. Ukrainische Behörden berichten von 34 getöteten Zivilisten in 24 Stunden. Unterdessen werden sich Putin und Poroschenko am 26. August in Minsk treffen.

Prorussische Separatisten in der Ostukraine.
Prorussische Separatisten in der Ostukraine.Foto: Reuters

Bei den Gefechten in der Region Donezk im Osten der Ukraine sind nach Angaben der ukrainischen Behörden binnen 24 Stunden 34 Zivilisten getötet worden. 29 weitere Menschen seien in diesem Zeitraum verletzt worden, teilten die örtlichen Behörden am Mittwoch mit. Im Osten der Ukraine liefern sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Aufständische seit Monaten Gefechte.

Kämpfe gehen unvermindert weiter

In der Ostukraine gehen die Kämpfe auch nach dem Vierer-Treffen der Außenminister Russlands, der Ukraine, Frankreichs und Deutschlands in Berlin unvermindert weiter. Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurden nach dem Beschuss eines Flüchtlingskonvois in der Nähe der Stadt Lugansk mindestens 15 Leichen geborgen. Bei den Toten handele es sich um Zivilisten, sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko am Dienstag. Er hatte am Montag zunächst von dutzenden Toten gesprochen. Die ukrainische Regierung macht die prorussischen Separatisten für den Angriff verantwortlich. Lugansk ist eine ihrer Hochburgen, wurde am Wochenende aber von der ukrainischen Arme eingekesselt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Berichte über den Angriff auf den Flüchtlingskonvoi als "sehr beunruhigend". Er forderte die Konfliktparteien nach Angaben seines Sprechers auf, allen Flüchtlingen "freies Geleit" zu ermöglichen.

Ein Angriff der Separatisten?

Nach Angaben Lyssenkos feuerten die Aufständischen mit russischen Mörsern und Grad-Raketenwerfern auf fliehende Zivilisten, die in einem humanitären Korridor aus Lugansk heraus unterwegs gewesen seien. Die Rebellen wiesen die Anschuldigungen zurück. Laut Lyssenko gab es dort am Dienstag Straßenkämpfe in der Innenstadt. Ein Stadtteil sei von den Regierungstruppen zurückerobert worden. Wegen der Kämpfe fliehen derzeit etwa 500 Menschen pro Tag aus der Stadt, die vor Beginn des Konflikts rund 400.000 Einwohner hatte.
Auch die zweite Separatistenhochburg Donezk wurde am Dienstag erneut von Explosionen erschüttert. Zu hören waren Detonationen im Osten sowie im Westen, wo sich der Flughafen befindet, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In der umkämpften Großstadt verschlechterte sich die humanitäre Lage, seit zwei Tagen hatten die Bewohner kein fließendes Wasser mehr. Auch am Dienstag bildeten sich Warteschlangen vor Läden, die Mineralwasser in Literflaschen verkauften. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der Kämpfe in der Ostukraine mehr als 2100 Menschen getötet, mehr als 285000 Menschen sind auf der
Flucht.

Weiter Streit um Hilfskonvoi

Im Streit um einen Hilfskonvoi für die Ostukraine hat der russische Außenminister Sergej Lawrow der Regierung in Kiew eine Blockadehaltung vorgeworfen. Es sei schwer nachvollziehbar, warum die etwa 280 Lastwagen aus Moskau seit Tagen an der Grenze festsitzen würden, sagte er am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Lawrow sicherte dem Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), Peter Maurer, bei einem Telefonat erneut zu, dass Russland die Leitung des Konvois komplett der Hilfsorganisation überlasse. Das Rote Kreuz warte weiter auf Sicherheitsgarantien der Ukraine, sagte Maurer demnach. Ohne diese werde das IKRK die rund 2000 Tonnen
Hilfsgüter nicht durch das von prorussischen Separatisten kontrollierte Gebiet in die Großstadt Lugansk bringen.

Merkel reist zu Poroschenko

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist an diesem Samstag zu ihrem ersten Besuch seit Ausbruch der Ukraine-Krise nach Kiew. Merkel werde bei dem eintägigen Besuch den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Ministerpräsident Arseni Jazenjuk treffen, teilte das Bundespresseamt am Dienstag in Berlin mit. Die Kanzlerin habe eine Einladung zu einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt am Vortag des Unabhängigkeitstages angenommen, teilte ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums am Dienstag mit.

Merkel und Poroschenko, im Juni in Berlin.
Merkel und Poroschenko, im Juni in Berlin.Foto: dpa

Bei dem Besuch, der auf Einladung von Präsident Petro Poroschenko erfolge, solle es um die aktuelle Lage im Verhältnis zwischen der Ukraine und Russland gehen, kündigte Merkels Sprecher Steffen Seibert an. Die Kanzlerin wolle in Kiew auch über "konkrete Möglichkeiten" sprechen, "die Ukraine in der aktuellen Krise zu unterstützen". Neben einem "ausführlichen Treffen" mit dem Präsidenten werde die Kanzlerin auch mit Ministerpräsident Arseni Jazenjuk zu einem Gespräch zusammenkommen, erklärte Seibert weiter. Einen weiteren Gedankenaustausch werde es voraussichtlich mit Bürgermeistern ukrainischer Städte geben.

Der russische Präsident Wladimir Putin trifft sich am 26. August mit seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko in Minsk. Mitten in der schweren Ukraine-Krise nehmen die Staatschefs an einem Gipfel der Zollunion in der weißrussischen Hauptstadt teil, wie der Kreml am Dienstag in Moskau mitteilte.

Nach dem Berliner Krisengipfel zum Ukraine-Konflikt am Sonntagabend hatten Merkel und Poroschenko nach Angaben aus Kiew die Lage erörtert. In einem Telefonat habe sich Poroschenko für eine Fortsetzung der Verhandlungen ausgesprochen, teilte das Presseamt des prowestlichen Staatschefs am Dienstag mit. Beide Politiker hätten auch über eine mögliche stärkere Beteiligung der Europäischen Union bei der Lösung des Konflikts diskutiert.

Außenminister Klimkin skeptisch

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin sagte am späten Montagabend in Kiew, bei dem Treffen in Berlin seien kaum Fortschritte erzielt worden. Er habe nicht den Eindruck gewonnen, dass Russland sich nicht auch weiterhin in die inneren Angelegenheiten der Ukraine einmischen werde. „Es ist unheimlich wichtig, dass sich Russland verpflichtet hat, die Anwesenheit von OSZE-Beobachtern zu gewährleisten“, sagte Klimkin. Mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow sowie dem französischen Ressortchef Laurent Fabius und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe er vereinbart, vorerst nicht an einer Art Abschlusserklärung zu arbeiten. „Wir wollten uns nicht mit Formulierungen beschäftigen, sondern uns auf das Wesentliche konzentrieren“, sagte Klimkin. (dpa/AFP/Reuters)

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