Konflikt zwischen der Türkei und Syrien : Welche Szenarien drohen nun?

Der Abschuss eines türkischen Jets durch Syrien hat die Welt aufgeschreckt. Die Lage zwischen den beiden Staaten ist enorm angespannt. Am Dienstag befasst sich die Nato mit dem Fall. Welche Szenarien drohen nun?

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Der Abschuss eines türkischen Militärjets vom Typ Phantom durch die syrische Luftabwehr im östlichen Mittelmeer vor vier Tagen wird am Dienstag den Nato-Rat beschäftigten. In der Türkei bleibt das Thema das wichtigste für Politik und Öffentlichkeit. Aufsehen erregte am Montag auf der wöchentlichen Sitzung des türkischen Kabinetts, die Teilnahme eines Generals namens Ates Mehmet Irez – er ist Chef der Abteilung „Operationen“ in der Leitung der türkischen Luftwaffe.

Was plant die Türkei?

Es werde zwar keinen Krieg geben, aber Syrien werde auch nicht straflos davonkommen, beschrieb die Zeitung „Hürriyet“ am Montag die bevorstehende Reaktion der Türkei. Laut der Zeitung „Milliyet“ belegen abgehörte Funksprüche der Syrer eindeutig, dass der Befehl zum Abschuss des unbewaffneten Aufklärungsflugzeuges vom Typ F-4 Phantom aus Damaskus kam. In Kommentaren war davon die Rede, dass die Türkei als aufstrebende Regionalmacht so etwas nicht unbeantwortet lassen könne.

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Die Türkei habe ihr letztes Wort in der Angelegenheit noch nicht gesprochen, erklärte auch EU-Minister Egemen Bagis, ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Energieminister Taner Yildiz deutete an, Ankara könnte unter anderem Stromlieferungen nach Syrien stoppen. Darüber werde in der Regierung gesprochen. Erdogan selbst äußerte sich nicht. Er will erst am Dienstag in einer Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP die offizielle Reaktion seines Landes bekannt geben.

Die Zeitungen präsentierten ihren Lesern unterdessen Planspiele, nach denen türkische Jets mit absichtlichen Verletzungen des syrischen Luftraums einen erneuten Beschuss provozieren sollen, um anschließend die syrische Luftabwehr massiv bombardieren zu können.

Was erwartet die Türkei von der Nato?

Nach dem Vorfall vom Freitag bemüht sich die Türkei auf politischer und diplomatischer Ebene um möglichst breite internationale Unterstützung. Diplomaten aus EU-Staaten und Nato-Ländern erhielten in Ankara detaillierte Briefings über den Vorfall, bei dem laut dem türkischen Außenministerium „die gesamte Verantwortung bei Syrien“ lag. Dabei kam nach Angaben aus diplomatischen Kreisen auch ans Licht, dass die Syrer angeblich drauf und dran waren, eine zweite türkische Maschine unter Beschuss zu nehmen. Ein zur Absturzstelle des abgeschossenen Jets entsandtes Suchflugzeug der türkischen Luftwaffe wurde demnach vom Radar der syrischen Luftabwehr erfasst und drehte sicherheitshalber ab. Die beiden Piloten der abgeschossenen Maschine werden nach wie vor vermisst.

Konkrete Hilfe der Nato – so bei etwaigen Vergeltungsschlägen gegen Damaskus – erwartet die Türkei nicht. Wohl aber Verständnis für die Lage, in der sich das Land befindet. Die Bündnispartner sollen ein Gefühl dafür bekommen, welch ständiger Gefahr das Mitglied Türkei wegen der Unruhen in Syrien ausgesetzt ist.

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