Konflikte : 90 Tote in Pakistan

Bei neuen schweren Kämpfen im Nordwesten von Pakistan sind mindestens 90 Extremisten getötet worden. Präsident Pervez Musharraf will dennoch am Sonntag zu einer Europa-Reise aufbrechen.

IslamabadDie Sicherheitskräfte sind offenbar im halbautonomen Stammesgebiet Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan von Aufständischen angegriffen worden. Die Rebellen stehen den radikal-islamischen Taliban nahe. Daraufhin habe das Militär eine Gegenoffensive gestartet, sagt Armeesprecher Athar Abbas.

Die Armee griff die Stellungen der Extremisten nach eigenen Angaben mit Artillerie und Raketen an. Über Opfer auf der Seite der Sicherheitskräfte ist nichts bekannt. Die Armee bestreitet Berichte, nach denen Anhänger des Extremistenführers Baitullah Mehsud  einen in der Region gelegenen Militärstützpunkt eingenommen hätten.

Mehsud wird von der pakistanischen Regierung für das tödliche Attentat auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto Ende Dezember verantwortlich gemacht. Das glaubt auch der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Michael V. Hayden. Kämpfer aus dem Umfeld Mehsuds hätten Bhutto getötet, sagte er der "Washington Post". Es gebe enge Verbindungen zwischen regionalen Extremisten und dem Terrornetzwerk El Kaida. Ein Sprecher von Extremisten-Führer Mehsud hatte jede Verwicklung in den Mord bestritten. Das Grenzgebiet zu Afghanistan, in dem Mehsud operiert, gilt als Rückzugsgebiet für Taliban-Kämpfer und El-Kaida- Terroristen.

Musharrafs will trotz der Unruhen nicht auf seine neuntägige Europa-Reise nach Belgien, Frankreich, Großbritannien und in die Schweiz verzichten. Es ist der erste Auslandsaufenthalt nach seiner umstrittenen Vereidigung für eine zweite Amtszeit als Präsident Ende November. In Brüssel wird Musharraf am Montag unter anderem mit EU-Chefdiplomat Javier Solana zusammentreffen, sagt das Außenministerium in Islamabad.

In Pakistan finden am 18. Februar Parlamentswahlen statt. Nach dem Mord an der Oppositionsführerin Bhutto Ende Dezember und landesweiten Unruhen war die Abstimmung um sechs Wochen verschoben worden. (jur/dpa)

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