Politik : Konflikte im Nahen Osten: Arafat gratuliert Scharon zum Passah-Fest

Zum zweiten Mal seit seinem Wahlsieg Anfang Februar hat der neue israelische Ministerpräsident und Chef der rechtsgerichteten Likud-Partei, Ariel Scharon, am Samstag direkt mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat gesprochen. Arafat, den Scharon noch vor wenigen Tagen als "Terroristen" beschimpft hatte, habe den Regierungschef angerufen und ihm gute Wünsche zum jüdischen Passah-Fest übermittelt, teilte die Kanzlei Scharons mit. Arafat hatte Scharon nach dessen Wahlsieg telefonisch gratuliert. Seither gab es kein Telefonat mehr zwischen beiden Politikern.

Im Westjordanland und im Gaza-Streifen hatten sich Israelis und Palästinenser auch in der Nacht zum Samstag erneut heftige Feuergefechte geliefert. Im Gaza-Streifen wurden drei palästinensische Polizisten bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten verletzt, einer von ihnen lebensgefährlich. Unterdessen drohten militante Moslems mit neuen Bombenanschlägen während des einwöchigen jüdischen Passah-Festes, das am Samstag begann.

Die israelische Armee zerstörte indes zwei Stützpunkte der palästinensischen Eliteeinheit "Force 17" sowie einen Polizeiposten nahe der jüdischen Siedlung Nezarim. Die Gebäude seien in der Nacht zum Samstag mit Bulldozern niedergerissen worden, erklärte ein Militärsprecher. Zur Begründung hieß es, die Posten hätten als Ausgangsbasis für "terroristische Angriffe" auf israelische Zivilisten und Soldaten gedient. Von dort aus seien Mörsergranaten auf Nezarim abgefeuert worden. Nach Krankenhausangaben wurde bei Auseinandersetzungen am Rande der Abrissaktion ein Mitglied der "Force 17" verletzt, die auch die Leibgarde von Palästinenserpräsident Jassir Arafat stellt. Nach Radioberichten feuerten Palästinenser in der Nacht drei Granaten auf die jüdische Siedlung Eile Sinai im Gaza-Streifen ab. Bereits am Freitagabend schlugen mehrere Granaten nahe einer israelischen Armeestellung am Grenzübergang Erez ein. Verletzte gab es dabei nicht. Beim israelischen Angriff auf die Sicherheitskräfte im Gaza-Streifen wurde ein Gebäude nach palästinensischen Angaben von Panzern und einem Patrouillenboot aus mit Maschinengewehren beschossen.

Eine israelische Sondereinheit nahm unterdessen bei Ramallah im Westjordanland zwei örtliche Milizführer fest, wie die Palästinenser mitteilten. Die Festnahmen erfolgten in einem Gebiet, das vollständig unter palästinensischer Verwaltung steht. Ein Sprecher der Autonomiebehörde bezeichnete die Aktion deshalb als grobe Verletzung der palästinensischen Souveränität. Der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben Elieser kündigte an, israelische Truppen würden künftig in die palästinensisch verwalteten Gebiete eindringen, wenn nötig.

Anhänger der Untergrundorganisation Islamischer Dschihad kündigten bei der Beerdigung eines Führungsmitgliedes neue Anschläge in Israel an. Die bezog sich auch auf Passah-Festes. Mit diesem einwöchigen Fest, das zeitlich mit dem christlichen Osterfest zusammenfällt, gedenken die Juden des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten vor mehr als 3000 Jahren. In Israel herrscht jetzt Angst vor Selbstmordanschlägen.

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