Konfliktforschung : Die Welt ist friedlicher geworden

Angesichts der schrecklichen Meldungen jeden Tag mag man es kaum glauben, aber es gibt mehr Frieden auf der Welt. Das behauptet zumindest ein Forscher anhand eines Konfliktbarometers. Der größten Krisenherd der Welt bleibt der Nahe Osten.

Krieg Konflikte
Der bewaffnete Konflikt im Sudan wird von dem Forscher sogar als Krieg eingestuft. -Foto: AFP

Hamburg/HeidelbergRein statistisch betrachtet gibt es weniger Kriege auf der Welt. Es gebe mehr Konflikte, die sich abschwächten, als Auseinandersetzungen, die eskalierten, sagte Lotta Mayer vom Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung. Das am Montag veröffentlichte Konfliktbarometer des Instituts listet für 2007 weltweit sechs Kriege und 25 ernste Krisen auf. Damit sank die Zahl sogenannter hochgewaltsamer Konflikte von 36 im vergangenen Jahr auf 31.

Trotzdem verloren tausende Kinder, Frauen und Männer auch in diesem Jahr bei blutigen Auseinandersetzungen ihr Leben. Insgesamt zählten die Forscher 328 Konflikte rund um den Globus, 130 davon waren gewaltsam. Als Kriege stuften sie bewaffnete Auseinandersetzungen im sudanesischen Darfur, in Somalia, auf Sri Lanka, in Afghanistan, im Irak und in Pakistan ein.

"Die insgesamt am schwersten betroffene Region ist der Vordere und Mittlere Orient, wo zusätzlich zu den beiden Kriegen - im Irak und in Afghanistan - acht ernste Krisen ausgetragen wurden", heißt es in einer Mitteilung des Heidelberger Instituts. In Afrika dagegen habe sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannt, trotz der beiden Kriege in Somalia und in der Darfur-Region im Sudan. In Asien und Ozeanien sei 2007 zu dem Krieg auf Sri Lanka ein weiterer in Pakistan hinzugekommen, in der Grenzregion zu Afghanistan. Weil die Auseinandersetzung in Tschetschenien leicht abgeschwächt sei, werde in Europa in diesem Jahr - zum ersten Mal seit gut 30 Jahren - kein einziger hochgewaltsamer Konflikt gezählt, berichteten die Forscher.

Insgesamt bleibe die Zahl der Krisen auch in diesem Jahr jedoch "auf einem besorgniserregend hohen Niveau". Dass es zugleich weniger hochgewaltsame Auseinandersetzungen gibt, werten die Wissenschaftler als Indiz für einen Wandel bei der Austragung von Konflikten. (mac/dpa)

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