Politik : Kongo: Blauhelme kommen, Frieden muss aber der Staat schaffen

Christoph Link

Der drittgrößte Staat Afrikas ist seit zwei Jahren von einem Bürgerkrieg zerrissen, an dem mindestens drei Rebellengruppen und sechs afrikanische Staaten beteiligt sind. Nach der Ermordung des Präsidenten Laurent Desiree Kabila im Januar hatte sein 29-jähriger Sohn Joseph die Macht übernommen und den Friedensprozess beflügelt. Seine erste Amtshandlung bestand darin, ein besseres Verhältnis zu den Vereinten Nationen herzustellen. Die Uno macht jetzt einen uralten Plan wahr und schickt Blauhelme.

"Amani, amani", riefen begeisterte Schulkinder in Kalemie am Freitag dem ersten UN-Kontingent zu. Das Suaheli-Wort bedeutet so viel wie "Frieden". "Wir sind sehr zufrieden über die Ankunft der UN-Friedenstruppe. Sie werden uns den Frieden bringen", sagte ein Lehrer einem Reporter der Agentur AFP. Doch das Mandat der UN-Soldaten ist sehr eng begrenzt. Die Blauhelme sollen lediglich die Ausrüstung und Gebäude von 500 UN-Beobachtern schützen. Den Frieden müssen die Kongolesen schon selber machen. Im kriegszerstörten Kongo müssen die Blauhelme mit provisorischer Unterkunft vorlieb nehmen, in Kalemie sind sie beispielsweise in einer alten Textilfabrik untergebracht. Im Kontrast zur Verarmung der Bevölkerung steht der nagelneue Fuhrpark der Blauhelme, die mit rund 40 weißlackierten Geländewagen ankamen. Die Uno hatte die Zahl der einzusetzenden Blauhelme von einst über 5000 drastisch auf 2000 vermindert, offenbar aus Kostengründen. Wie so wenige Soldaten in einem riesigen Gebiet von der Größe der arabischen Halbinsel eingesetzt werden können, bleibt politischen Beobachtern ein Rätsel. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist in den nächsten Wochen vorgesehen, die UN-Posten in 25 wichtigen Standorten in der Demokratischen Republik Kongo einzurichten, unter anderem in Goma, Kisangani, Kananga und später in Kinshasa. Zu beobachten gibt es in erster Linie einen bereits letztes Jahr vereinbarten Teilrückzug der Konfliktparteien um mindestens 15 Kilometer von ihren Stellungen. Fast zwei Monate lang sollen die UN-Gesandten beobachten. Wie der für den Kongo zuständige UN-Referent Kamel Morjane in Genf mitteilte, bietet die Ankunft der UN-Truppen eine "große Chance für den Frieden", denn mit Teilabzügen hätten einige der Kontrahenten bereits begonnen. Die mit den Rebellen befreundete Armee Ruandas sei ebenso auf dem Rückzug wie die Regierungsarmee des Kongo und ihre Alliierten Simbabwe, Angola und Namibia. Auch die mit Uganda verbündete "Befreiungsbewegung des Kongo" (MLC) von Jean-Pierre Bemba hat einen Teilrückzug aus der Provinz Equateur angekündigt.

Während sich im Kongo etwas bewegt, ist Joseph Kabila auf Good-Will-Tour in Europa. In Genf schlug er am Freitag wieder härtere Töne an und forderte vehement einen "Abzug aller Aggressoren" aus seinem Land, das sich zu 50 Prozent seiner Kontrolle entzieht. Am nächsten Donnerstag wird Kabila in Berlin erwartet, wo er mit Kanzler Gerhard Schröder zusammentreffen soll.

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