Politik : Kongo: Der Mann, den Che Guevara nicht mochte

Hans Christoph Buch

Als Laurent Kabila im April 1997 an der Spitze seiner damals noch von Ruanda unterstützten Rebellenarmee in Kisangani einzog - der zweitgrößten Stadt von Zaire - war dies der Anfang vom Ende des Mobutu-Regimes. Gleichzeitig verbreitete sich unter den jubelnden Massen das Gerücht, Kabila und Mobutu seien ein- und dieselbe Person, weil beide mit zweitem Vornamen Désiré hießen. Wer also war der einstige Hoffnungsträger, den die Brandung des Bürgerkriegs, der ihn nach oben geschwemmt hatte, so schnell wieder im Orkus der Geschichte verschwinden ließ?

Als ich Laurent Kabila nach der Einnahme von Kisangani begegnete und ihn fragte, ob er sich dem Erbe seines Landsmannes Patrice Lumumba und dessen Gefährten Ernesto Che Guevara verpflichtet fühle, mit denen er vor der Unabhängigkeit Kongos gegen die belgische Kolonialmacht kämpfte, reagierte Kabila ausweichend: Die Rebellenallianz zur Befreiung Kongos orientiere sich an den gegenwärtigen Bedürfnissen der Bevölkerung, nicht an den Kämpfen der Vergangenheit. Und Fragen nach seiner Person beantwortete Laurent Kabila noch schroffer: Informationen über sein Privatleben trügen nichts zur Befreiung des kongolesischen Volkes bei, ließ er den europäischen Beobachter wissen.

Die Frage nach seiner revolutionären Vergangenheit kam Kabila denkbar ungelegen, denn seine von Vietnam und Kuba inspirierte Befreiungsfront wurde, in einer bizarren Ironie der Geschichte, vom CIA unterstützt. Aber die Frage war in doppelter Hinsicht tabu, denn der Märtyrer des kongolesischen Freiheitskampfs, Patrice Lumumba, hatte sich eher despektierlich über seinen Weggenossen Kabila geäußert, und Che Guevara bezeichnet ihn in seinem Tagebuch gar als "Scheißkerl". Was der Argentinier damit meinte, war vermutlich Kabilas Tendenz, Politik und Geschäft in undurchsichtiger Weise zu vermischen: Während Che Guevara am Ostufer des Tanganjikasees für seine afrikanischen Freunde sein Leben riskierte, profitierte Kabila vom illegalen Elfenbeinexport.

Drei Jahrzehnte später, beim Vormarsch auf die Hauptstadt Kinshasa, soll Mobutus graue Eminenz, der Diamantenhändler und frühere belgische Oberst Malant mit fliegenden Fahnen zu Laurent Kabila übergelaufen sein. So besehen war Kabila weder Idealist noch Pragmatiker, sondern ein gewöhnlicher Opportunist.

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