Politik : Kongo hat eine Übergangsregierung

Rebellenführer werden Vizepräsidenten / Bürgerkrieg gilt als beendet / Dennoch Tote bei Gefechten im Osten des Landes

Christoph Link

Nairobi. Der größte und an Bodenschätzen reichste Staat Zentralafrikas hat wieder eine die gesamte Nation umfassende Regierung. Der Bürgerkrieg wurde damit für beendet erklärt. Die Demokratische Republik Kongo wird seit Donnerstag von einer Übergangsregierung regiert, in der auch die wichtigsten Rebellenführer und die Opposition Sitz und Stimme haben. Viele politische Beobachter hatten bis zuletzt nicht daran geglaubt, dass sich die Rebellenführer Jean-Pierre Bemba von der Kongolesischen Befreiungsbewegung MLC und Azarias Ruberwa von der Sammlungsbewegung Demokratie RCD tatsächlich in die Hauptstadt Kinshasa trauen werden. Der 41-jährige Bemba, ein reicher Geschäftsmann und Sohn eines Mobutu-Freundes, hatte die Stadt seit sechs Jahren nicht mehr betreten.

Vor dem Obersten Gerichtshof und im Beisein von Präsident Joseph Kabila haben die vier neuen Vizepräsidenten des Landes gestern den Amtseid geleistet – die ehemaligen Rebellen Bemba und Ruberwa, der Kabila-Parteifreund Abdoulaye Yerodia Ndombasi sowie der Menschenrechtler Arthur Z’Ahidi Ngoma, der unter Josephs Vater Laurent Kabila verfolgt worden war.

500 Abgeordneten und 120 Senatoren haben die Zeremonie im Saal des Palastes beobachtet. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge soll Bemba der lauteste Würdenträger gewesen sein und Slogans der alten Mobutu-Partei gerufen haben. Als Ruberwa hingegen schwor, er wolle „die Einheit und Unteilbarkeit des Landes“ bewahren, ging ein zweifelndes Raunen durch den Saal. Später jubelten die Menschen, als die Vizepräsidenten sich umarmten.

Theoretisch ist das seit fünf Jahren zersplitterte Land damit wieder geeint. Jetzt soll die Demokratische Republik Kongo zu allgemeinen und freien Wahlen geführt werden. Nach der Parlamentswahl im Unabhängigkeitsjahr 1960 wären es die ersten allgemeinen Wahlen des Landes, das 32 Jahre lang von dem Diktator Mobutu Sese Seko regiert und ausgeplündert worden war. Im Bürgerkrieg, der bald nach Mobutus Sturz begonnen hatte, sollen rund 3,3 Millionen Menschen an den Kriegsfolgen gestorben sein. In Kongo leben 50 Millionen Menschen.

Trotz der Vereidigung der zentralen Regierung herrschen in Teilen des Landes regionale Warlords. Im Osten sollen in der Stadt Tchomia heftige Kämpfe ausgebrochen sein. Unbestätigten Angaben zufolge sollen bei den Kämpfen mehr als 80 Menschen getötet worden sein, darunter sollen 54 Zivilisten gewesen sein.

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