Politik : Kongo: Kabilas Sohn übernimmt die Macht

Einen Tag nach dem Attentat auf den Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Laurent Kabila, hat dessen Sohn Joseph offiziellen Angaben zufolge am Mittwoch die Regierungsgeschäfte übernommen. Kabila selbst ist nach Angaben aus Simbabwe tot. Die staatlichen Medien des engsten Verbündeten Kabilas im Kongo-Krieg bestätigten am Mittwoch Informationen westlicher Regierungen, nach denen Kabila seinen am Dienstag bei einem Attentatsversuch erlittenen Schussverletzungen erlegen ist. Simbabwes staatliche Nachrichtenagentur Ziana meldete in Harare, Kabila sei in einer Maschine, die ihn zur Behandlung in die simbabwische Hauptstadt bringen sollte, gestorben. "Kabila ist ermordet worden", sagte ein Mitglied der Regierung von Simbabwes Präsident Robert Mugabe.

Die Regierung in Kinshasa hielt hingegen an ihrem Dementi fest. Kommunikationsminister Dominique Sakombi sagte am Mittwoch: "Der Präsident lebt und soll in Simbabwe ärztlich behandelt werden." Bis zu dessen Rückkehr führe Kabilas Sohn Joseph die Amtsgeschäfte seines Vaters fort.

Nach belgischen und französischen Regierungsinformationen schoss ein Leibwächter auf Kabila, nachdem dieser sich ein Wortgefecht mit Generälen geliefert hatte. Dreimal soll der Präsident getroffen worden sein. Der Leibwächter soll von anderen Sicherheitskräften getötet worden sein. Der Flughafen von Kinshasa und die Grenzposten zu Kongo-Brazzaville wurden abgeriegelt. Die ehemalige Kolonialmacht Belgien kündigte an, Truppen ins benachbarte Gabun zu schicken, um eventuell die etwa 2500 Belgier, die in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) leben, auszufliegen.

Nach der Verhängung des Ausnahmezustandes herrsche in der Hauptstadt gespannte Ruhe, meldeten mehrere Radiosender. Ruanda, das Kabila-feindliche Rebellen im Kongo-Krieg unterstützt und mit eigenen Truppen weit in die DRC vorgedrungen ist, hat eine Verwicklung in das Attentat zurückgewiesen. "Wir bedauern, was in Kinshasa vorgefallen ist", sagte Ruandas Sonderbeauftragter Patrick Mazimhaka in Kigali.

Simbabwe und Namibia erklärten, sie würden ihre Truppen in der Demokratischen Republik Kongo stationiert lassen. Die beiden Staaten haben zusammen mit Angola Kabila militärisch im Kampf gegen seine Gegner im Land und deren Verbündete Uganda und Ruanda unterstützt. Simbabwes Verteidigungsminister Mahachi kündigte zudem an, dass Kabilas Familie jede erdenkliche Unterstützung durch sein Land erhalten werde. Einige Familienmitglieder sollen bereits am Mittwoch nach Harare geflogen sein.

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