Kongo : Kämpfer an der Grenze

Ohne den Tutsi-Rebellenführer Laurent Nkunda wird es im Osten des Kongo keinen Frieden geben. Nkunda sieht sich als als Schutzherr der leidgeprüften Tutsi.

Wolfgang Drechsler

KinshasaAuf den ersten Blick würde man hinter dem hoch gewachsenen, feingliedrigen Mann mit der Goldbrille nie den mächtigsten Rebellenführer des Kongo vermuten: Doch ohne Laurent Nkunda läuft fast nichts im gesetzlosen Osten des afrikanischen Riesenreichs. Seit mehr als zehn Jahren füllen der 41-Jährige und seine rund 5000 Kämpfer ein Machtvakuum, das die schwache und mehr als 1500 Kilometer entfernte Zentralregierung in Kinshasa hier hinterlassen hat.

Seit Ende August wird in Kongos Ostprovinz Nord-Kivu wieder einmal blutig um die Vorherrschaft gerungen. Hunderttausende von Zivilisten sind dabei zwischen die Fronten geraten und fliehen nun erneut in heller Panik durch die Region. Dass es ausgerechnet hier, in Nkundas Hoheitsgebiet in den Masisi-Bergen, westlich der Grenzstadt Goma, seit Jahren zu immer neuen Kämpfen zwischen seinen Tutsi-Rebellen und der marodierenden kongolesischen Armee kommt, hat seinen Grund: Genau in dieser Region stößt der reiche, fruchtbare Kongo auf seine überbevölkerten, rohstoffarmen Nachbarn Ruanda und Uganda - und deren Begierden und Ängste. Kein Wunder, dass ausgerechnet in dieser landschaftlich so malerischen Gegend die beiden letzten Kongokriege ihren Ursprung hatten.

UN muss Hutu-Mördern das Handwerk legen

Nkunda selbst sieht sich als Mann mit einer besonderen Mission: Seit langem betrachtet er sich als Schutzherr der leidgeprüften Tutsi - einer sowohl im Osten des Kongo als auch in den Nachbarländern Ruanda und Burundi verfolgten Minderheit. Sein Kampf gegen den Terror ruandischer Hutu-Extremisten rechtfertigt nach seiner Ansicht auch den Rückgriff auf ähnlich brutale Mittel, wie seine Gegner sie verwenden, etwa die Rekrutierung von Kindersoldaten. Im Westen wird Nkunda als Kriegsherr oder Büttel des Tutsi-Regimes in Ruanda gegeißelt, zumal die Machthaber in Kigali von der humanitären Dauerkatastrophe im Ostkongo profitieren: So lassen sich die Rohstoffe der Region leicht über die Grenze schmuggeln.

Nkundas Nähe zu Ruanda und sein Selbstverständnis speisen sich aus einem Trauma: dem Mord der Hutu an fast einer Million Tutsi vor 14 Jahren. Nkunda selbst hat viele Familienangehörige in den ethnischen Pogromen in der Region verloren. Frieden wird es erst geben, wenn die UN den Hutu-Mördern in der Region das Handwerk legen.

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