Politik : Kongos Ex-Vize Bemba soll in Den Haag angeklagt werden

Wolfgang Drechsler

Kapstadt - Wer sich in Afrika schwerer Menschenrechtsverstöße schuldig macht, muss damit rechnen, dafür später auch zur Rechenschaft gezogen zu werden. Nach dem liberianischen Diktator Charles Taylor ist nun auch der frühere kongolesische Vizepräsident Jean-Pierre Bemba in Belgien wegen vermeintlicher Kriegsverbrechen verhaftet worden. Bemba, der im letzten Jahr aus dem zentralafrikanischen Land geflüchtet war, wurde am Samstagabend nach einem vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag erlassenen Haftbefehl in der Nähe von Belgien verhaftet. Er wurde wegen angeblicher Verbrechen seiner Truppen an der Zivilbevölkerung in der Zentralafrikanischen Republik gesucht.

Grund für die Flucht aus Kongo war der Vorwurf des dortigen Staatschefs Joseph Kabila gewesen, Bemba hätte Umsturzpläne gegen das Regime in Kinshasa gehegt. Nun droht ihm am Internationalen Strafgerichtshof ein Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit – seine Truppen sollen laut einem UN- Bericht Pygmäen getötet und zur Abschreckung verspeist haben.

Bemba, der als intelligent, aber ruchlos gilt, besitzt zweifellos die Mittel, um sich gegen eine nun drohende Anklage in Brüssel zur Wehr zu setzen. Schließlich hat er bereits zu Zeiten von Diktator Mobutu Sese Seko ein Vermögen angehäuft, das auf einige hundert Millionen Dollar geschätzt wird, unter anderem mit der Verbreitung von Falschgeld. Bereits sein Vater galt als einer der mächtigsten Geschäftsleute des Landes. Dennoch würde der Bemba-Clan noch immer deutlich hinter der Kabila-Familie liegen, deren Reichtum mittlerweile nach der Vergabe lukrativer Minenkonzessionen auf über eine Milliarde Dollar beziffert wird. Wolfgang Drechsler

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