Kongress : Mehr Schulen sollen ganztags unterrichten

Bildungsministerin Schavan will mehr Qualität an die Schulen bringen. Der starke Trend zu Ganztagsschulen muss sich ihrer Ansicht nach fortsetzen. Mehr Geld für den Ausbau will sie den Ländern aber nicht geben.

Amory Burchard

Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Länder zu einer Qualitätsoffensive für die Ganztagsschulen aufgefordert. Zwar habe die Schulform seit fünf Jahren einen enormen Schub erlebt – 2005 machten nur neun Prozent der Grundschulen ein ganztägiges Angebot, heute sind es 62 Prozent. „Aber mehr Schulen müssen zu wirklichen Ganztagsschulen werden“, sagte Schavan am Freitag beim Ganztagsschulkongress in Berlin. An den zumeist offenen Ganztagsschulen nimmt nur die Hälfte der Grundschüler die freiwilligen Nachmittagsangebote in Anspruch.

Die Präsenzpflicht der Lehrer auch am Nachmittag müsse verstärkt durchgesetzt werden, damit die Zahl der gebundenen Ganztagsschulen mit einem verpflichtenden Nachmittagsunterricht steigen könne, sagte Schavan. Sie rief die Länder dazu auf, den drohenden Konflikt mit den Lehrerverbänden um die Präsenzpflicht zu riskieren. Viele junge Lehrkräfte seien bereit, auch am Nachmittag zu unterrichten. Gleichzeitig betonte Schavan, dass die Eltern weiterhin die Wahl haben müssten, ob ihr Kind bis mittags oder bis zum späten Nachmittag lernt.

Schavan sieht die Qualitätsoffensive für die Ganztagsschulen „in erster Linie als pädagogische Aufgabe“. Eine Aufstockung des 2003 von ihrer Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn gestarteten Vier- Milliarden-Programms für den Ausbau von Ganztagsschulen lehne sie ab. Die Mittel dieses Programms seien jetzt zu 99 Prozent ausgeschöpft, sagte Schavan. Vor einem Jahr waren noch 400 000 Euro nicht abgerufen, jetzt haben zögerliche Länder wie Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern offenbar aufgeholt.

Bis 2014 weiterlaufen soll allerdings die jährliche Bundesförderung von vier Millionen Euro für mittlerweile 15 Serviceagenturen in den Ländern, die von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung betrieben werden und die Schulen bei der Entwicklung von Angeboten und bei der Lehrerfortbildung unterstützen. Bayern bereite die Gründung einer Agentur vor, sagte Schavan.

Eva Luise Köhler, Schirmherrin der Kinder- und Jugendstiftung, appellierte an die Schulen, sich auch wirklich an die Agenturen zu wenden, wenn sie Probleme haben. Eine vorläufige Bilanzstudie der Stiftung und des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung hatte 2008 pädagogische Defizite gezeigt: Unterricht und Freizeitangebote seien kaum verzahnt, sondern würden schlicht aneinandergereiht. Die abschließende Untersuchung würden die Institute im Frühjahr 2010 vorlegen, kündigte Schavan jetzt an. Amory Burchard

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