Politik : Konkurrenten im Kreml

Elke Windisch

Gegen Alexander Woloschin, den Chef des Präsidentenamtes, ermittelt eine Sonderkommission wegen dubioser Geschäfte. Vorerst gehe es jedoch nur um die unternehmerische Tätigkeit Woloschins, sagte Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow, der die Sensation am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz zum 280. Jahrestag seiner Behörde eher beiläufig verkündete. Der 45-jährige Woloschin war von 1992 bis 1998 Vorstandsvorsitzender des Autokonzerns AWWA. An der Firma hält Multimilliardär Boris Beresowski - einst Jelzins Günstling, aber unter Putin in Ungnade gefallen - die Aktienmehrheit. Zwar begründete Ustinow die Ermittlungen gegen Woloschin mit einer Anfrage von Duma-Abgeordneten. Doch Bedenken des Parlaments hätten Ustinow kaum dazu bewogen, eine Sonderkommission mit 35 Ermittlern einzusetzen.

Beobachter vermuten politische Hintergründe. Der Chef der Kremladministration ist im russischen Machtgefüge inoffiziell die Nummer zwei und hat erheblich mehr Vollmachten als der Regierungschef. In der Regel werden für wichtige Ämter Leute ernannt, die sich im Dunstkreis des jeweiligen Kremlfürsten bewegen. Woloschin war im März 1998 Jelzins Wirtschaftsberater geworden und dann ein Jahr später Chef des Präsidentenamtes. Auf ausdrückliche Empfehlung Boris Beresowskis, der der "Familie" auch als privater Vermögensberater diente.

Aber seit Putins Ernennung zum Interimspräsidenten am 31. Dezember 1999 hat Woloschin nur noch nominell die Schlüsselgewalt im Kreml. Die reale Macht liegt in den Händen seiner neuen Stellvertreter: Dmitrij Medwedjew und Igor Setschin, der auch Putins persönliches Büro leitet. Spätestens als Putin im vergangenen März personelle Altlasten aus Jelzin-Zeiten in die Wüste schickte, hielten Beobachter auch Woloschins formelle Entlassung für eine Frage von Tagen. Doch der behielt sein Amt ebenso wie Premier Michail Kasjanow und Außenminister Igor Iwanow. Alle drei, so munkelte man damals, würden noch als mögliche Bauernopfer gebraucht.

Nun ist ihre Zeit wohl abgelaufen. Putin will offenbar aufräumen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen die "natürlichen Monopole" - die Eisenbahn und SIBUR, Chemietochter von Gasprom - wegen Missmanagements. Verkehrsminister Nikolaj Aksjonenko, auch er ein Mitglied der Jelzin-Familie, wurde bereits entlassen.

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