Politik : Konrad-Adenauer-Haus: Familienfest im neuen Heim

Bernd Hops

Angela Merkel, CDU-Chefin, hatte für Mittwochnachmittag zur Einweihung der neuen Parteizentrale in Tiergarten geladen - und sie waren zahlreich gekommen. Nur einer fehlte: Alt-Kanzler und Parteipatriarch Helmut Kohl. Offenbar hat sich sein Verhältnis zur Partei doch noch nicht normalisiert. Dabei hatte es am Dienstag so ausgesehen, als er nach monatelanger Pause wieder an einer Sitzung der CDU-Bundestagsfraktion teilnahm. Aber das war weder in den Ansprachen noch am Büffet ein Thema.

Gekommen war die Parteiprominenz von Wolfgang Schäuble, dem Vorgänger Merkels, bis hin zum Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. Sogar Walther Leisler Kiep, der in die Spendenaffäre verstrickte ehemalige Schatzmeister der Partei, war da. Unions-Fraktionschef Friedrich Merz plauderte angeregt mit ihm. Viel Parteivolk füllte das Atrium: Die Kreisgeschäftsführer der CDU hatten sich zu einer Konferenz in Berlin versammelt.

Im Januar hatte es noch kurzzeitig so ausgesehen, als würde die Parteizentrale der Christdemokraten bald auf der Straße sitzen. Das Adenauer-Haus in Bonn war bereits für 17 Millionen Mark an die Deutsche Telekom verkauft worden. Durch die Spendenaffäre und die damit entstehenden Kosten geriet die CDU allerdings in Finanznöte. Kurzzeitig wurde sogar darüber diskutiert, die Parteizentrale in Berlin bereits vor ihrer Fertigstellung bereits wieder zu verkaufen. Die Spendenaffäre entschied auch die Frage nach dem Namen für das neue Gebäude, denn Helmut Kohl schied nunmehr als Namensgeber aus.

Angela Merkel ließ sich durch solche Gedanken nicht die Freude am Ereignis nehmen. Offensichtlich gut gelaunt kam sie aus den Bundestagsdebatten des Tages. Nur in Nebensätzen ging sie während ihrer Einweihungsrede auf diese Probleme ein. Man habe bei der Realisierung des Projekts "auch schwierige Zeiten durchlebt". Im Saal zeigte der ein oder andere ein wissendes Lächeln. Relativ formlos weihte Merkel das Hauptquartier der CDU ein. Das Haus trägt wieder den Namen Konrad Adenauers, des ersten Kanzlers der Bundesrepublik - wie schon in Bonn. Merkel sagte: "Konrad Adenauer ist der erste Parteivorsitzende der CDU Deutschlands gewesen. Er war Rheinländer. Aber er war ein Mensch, der der Stadt Berlin sehr zugetan war - so sagt man." Ihr gelang so einer der wenigen Gags einer ansonsten historisch angelegten Rede, wie auch Kohl sie gern gehalten hat. Ein im Haus eingepflanzter Rosenstock aus Rhöndorf, Adenauers Wohnort, soll die Verbindung zum Alt-Kanzler symbolisieren. Adenauer war leidenschaftlicher Rosenzüchter.

Merkel sieht die Architektur des Hauses als Vorbild für ihre Partei: "Klares Profil in der Spitze, solide an der Basis und zugleich hochmodern, offen und transparent, ausgesprochen kommunikativ." Diese Eigenschaften wünsche sie sich für die CDU - neben dem Selbstbewusstsein des innovativen Gebäudes. Ruprecht Polenz, Bundesgeschäftsführer der CDU, lobte die offene Atmosphäre und Helligkeit des Hauses im Vergleich zum Bonner Gebäude. Ein kleiner Seitenhieb auf die alten Parteistrukturen während der Kohl-Ära? Polenz betonte: "Wir fühlen uns wohl."

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