Kontakt mit Taliban : Afghanistan weist Diplomaten aus

Die Regierung in Kabul hat den Chef der EU-Mission und einen britischen UN-Vertreter wegen angeblicher Kontakte zu den Taliban aus Afghanistan ausgewiesen. Die USA kritisieren die Kontakte zu den "Terroristen des 11.Septembers".

New York/KabulDer amtierende Chef der EU-Mission und der britische UN-Vertreter Mervyn Patterson sollten Medienberichten zufolge am Donnerstagmorgen das Land verlassen. Sie werden von der afghanischen Regierung beschuldigt, mit den radikalislamischen Taliban verhandelt zu haben, die seit Jahren gegen die Regierung von Präsident Hamid Karsai und die internationalen Truppen kämpfen. Die Vereinten Nationen bemühten sich heute unter Hochdruck um Aufklärung des Falles.

"Wir gehen davon aus, dass es sich um ein Missverständnis handelt", sagte der UN-Sprecher in Kabul, Aleem Siddique. "Aber selbstverständlich respektieren wir die Entscheidung der Regierung und kommen ihr nach." Die Vereinten Nationen hätten eine wichtige Rolle in Afghanistan. In Zusammenarbeit mit der EU werde man deshalb alles daransetzen, dass die Diplomaten so schnell wie möglich zurückkehren könnten.

Entscheidung für die Ausweisung durch Karsai?

Der Brite Patterson ist politischer Berater der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA). Die afghanische Regierung hatte ihn und den EU-Vertreter am Vortag aufgefordert, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Die Regierung in Kabul wirft beiden Diplomaten vor, in der umkämpften südlichen Provinz Helmand Gespräche mit Taliban-Vertretern geführt und damit die Sicherheit und Souveränität Afghanistans gefährdet zu haben.

Nach einem Bericht des britischen Senders BBC kam die Entscheidung aus dem Büro von Karsai. Da der Präsident heute nach Pakistan gereist sei, könne über die Lösung des Falles möglicherweise erst nach seiner Rückkehr verhandelt werden.

Nach Angaben der britischen Zeitung "Daily Telegraph" stoßen Meldungen über geheime Verhandlungen mit den Taliban auch bei der US-Regierung auf großen Unmut. Die Amerikaner seien "unglücklich über die Veröffentlichung von Berichten, wonach ein Verbündeter mit jenen Terroristen verhandele, die die Angriffe vom 11. September (2001) unterstützt haben". Der "Daily Telegraph" hatte in seiner Mittwochausgabe gemeldet, dass der britische Geheimdienst SIS in Afghanistan Gespräche über eine Konfliktlösung mit Taliban-Vertretern geführt haben soll. (mist/dpa)

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