Politik : Kontakt zum Londoner Attentäter? Weiterer Verdacht gegen inhaftierten Pakistaner

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Berlin Der in Pakistan festgenommene mutmaßliche Al-Qaida-Mann Osama bin Jusaf hat möglicherweise nicht nur Kartenmaterial über deutsche Städte gesammelt, sondern auch Kontakte zu einem der Attentäter der ersten Anschlagswelle in London unterhalten. Die Polizei versuche bei den Verhören von Jusaf herauszufinden, ob er mit Schahsad Tanweer in Verbindung gestanden hat, berichtete jetzt der pakistanische Journalist Mubasher Bukhari dem Tagesspiegel. Bukhari, der für die pakistanische Zeitung „Daily Times“ schreibt, berief sich auf Quellen in den einheimischen Sicherheitsbehörden.

Tanweer hatte im Herbst 2004 in der ostpakistanischen Stadt Faisalabad den Terroristen Osama Nasir aufgesucht, zu dem auch Jusaf Kontakte gepflegt haben soll. Der im November 2004 inhaftierte Nazir, der für einen schweren Anschlag auf eine Kirche verantwortlich sein soll, gilt als Schlüsselfigur der militanten Islamistenszene in Pakistan. Wie Nasir lebte Jusaf in Faisalabad, wo er am Sonntag festgenommen wurde. Die pakistanischen Behörden vermuten, dass Jusaf in der Stadt ausländischen Al-Qaida-Leuten Unterschlupf gewährte. Ob Jusaf auch Tanweer geholfen hat, versuchen Polizei und Geheimdienst nun herauszufinden. Tanweer, ein Brite pakistanischer Herkunft, sprengte sich am 7. Juli in der Londoner U-Bahn in die Luft.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ddp haben „CIA-Kreise“ jetzt bestätigt, dass bei Jusaf Landkarten gefunden wurden, auf denen die Städte Berlin, Frankfurt am Main und Bonn markiert sind. Nach Informationen des Journalisten Bukhari wurden auch Karten entdeckt, auf denen Mailand, Rom und London mit einem roten Farbstift gekennzeichnet sind.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte am Mittwoch, er wisse nur, „dass jemand festgenommen worden ist“. Schily warnte vor „voreiligen Bewertungen“. In Sicherheitskreisen war allerdings auch zu hören, man sorge sich um mögliche Panikreaktionen in der Bevölkerung. Was die deutschen Behörden inzwischen über Jusaf und das bei ihm entdeckte Material wissen, blieb am Mittwoch weiterhin unklar.

Laut Bukhari haben Beamte des Bundesinnenministeriums die pakistanische Regierung gebeten, Einzelheiten aus den Vernehmungen Jusafs mitzuteilen. Es sei auch davon auszugehen, dass die US- Bundespolizei FBI und der britische Auslandsgeheimdienst MI6 an den Verhören beteiligt sind. Bukhari berichtete außerdem, Jusaf sei am Montag von Faisalabad in die Hauptstadt Islamabad verlegt worden.

Die britische Polizei hält unterdessen weitere Anschläge in London für unausweichlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die „City“, das Finanzviertel der Hauptstadt, angegriffen werde, sagte Londons Polizeichef James Hart der Zeitung „Financial Times“. Potenzielle Ziele seien mehrere Male ausspioniert worden, sagte Hart. Festnahmen gab es allerdings nicht. In der City befinden sich zahlreiche Banken, die „Bank of England“, die Börse und Versicherungen. Etwa 300000 Menschen arbeiten hier. Nach Ansicht der Polizei hat sich allerdings nur die Hälfte der Unternehmen im Finanzdistrikt auf terroristische Aktionen vorbereitet – obwohl die City bereits mehrmals das Ziel von Anschlägen der irischen Terrororganisation IRA war.

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