Politik : Kontaktgruppe stellt Milosevic Ultimatum bis Wochenanfang

LONDON/BRÜSSEL (rtr/AFP).Mit einer Doppelstrategie will der Westen das Belgrader Milosevic-Regime dazu zwingen, die Gewalt in Kosovo zu stoppen.Bei dem Außenministertreffen der sieben größten Industriestaaten und Rußlands (G 8) in London hieß es am Freitag, ähnlich wie in der Irak-Krise im Februar solle die Diplomatie mit einer glaubhaftem militärischen Drohung unterstützt werden.Die internationale Balkan-Kontaktgruppe beschloß in London einen Boykott der jugoslawischen Fluggesellschaft JAT.Der russische Verteidigungsminister Sergejew sprach sich in Brüssel für eine diplomatische Lösung in Kosovo aus.

An den Beratungen der G 8 beteiligt waren neben Japan und Kanada auch die sechs Staaten der Balkan-Kontaktgruppe - USA, Rußland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.Rußland will die Boykott-Entscheidung gegen JAT nicht umsetzen, hatte sie aber nicht behindert.Die Kontaktgruppe forderte Jugoslawiens Staatschef Milosevic anschließend ultimativ zum Einlenken in Kosovo auf.Er müsse bis Montag eine Reihe von Verpflichtungen zur Beendigung der Gewalt gegen die Kosovo-Albaner eingehen, ansonsten würden Sanktionen gegen Belgrad verhängt, hieß es.

US-Außenministerin Albright hatte vor dem G-8-Treffen erklärt, die Erfahrung in der jüngsten Irak-Krise habe gezeigt, daß die Androhung von Gewalt für die Diplomatie hilfreich sein könne.Albrights britischer Kollege Cook sagte am Freitag, Rußlands Präsident Jelzin könne Milosevic die Haltung der Staatengemeinschaft verdeutlichen.Milosevic wird sich am Montag und Dienstag in Moskau aufhalten, um mit Jelzin über die Kosovo-Krise zu beraten.

In Brüssel plädierte Rußlands Verteidigungsminister Sergejew am Rande der Frühjahrstagung der NATO-Verteidigungsminister für eine diplomatische Lösung des Konflikts.Aus dem Allianz-Hauptquartier verlautete zugleich, die NATO werde schon am Sonntag mit Luftmanövern in der Nachbarschaft Kosovos, in Albanien und Mazedonien, beginnen.An den Übungen würden auch Bundeswehr-Tornados teilnehmen.

Deutschland forderte am Freitag auch die Kosovo-Albaner zum Gewaltverzicht auf.Wie das Auswärtige Amt in Bonn mitteilte, rief Außenminister Klaus Kinkel deren politischen Führer Ibrahim Rugova in London auf, an seiner Politik der Verhandlungsbereitschaft festzuhalten.

In Kosovo ist es am Freitag nach übereinstimmenden Berichten zu neuen blutigen Zusammenstößen zwischen serbischer Polizei und albanischen Untergrundkämpfern gekommen.Dabei seien sieben Serben und fünf Albaner getötet worden, hieß es.

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