Kontroverse in den Niederlanden : US-Provider bremst Anti-Islam-Film aus

Weil sich die niederländischen TV-Sender weigerten, seinen Film auszustrahlen, wollte der Rechtspopulist Geert Wilders seinen Anti-Islam-Film "Fitna" im Internet veröffentlichen. Nun hat der US-Provider die Seite gesperrt. Wilders gibt sich nicht geschlagen: Zur Not werde er die DVD von Hand verteilen, erklärte er.

Geert Wilders
Geert Wilders. -Foto: AFP

Den HaagNoch vor kommendem Freitag wollte Geert Wilders seinen umstrittenen islamkritischen Film "Fitna" ("Das Böse") im Internet veröffentlichen. Nun hat der US-Provider Network Solutions die Website gesperrt. Das Unternehmen erklärte in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme, es werde keine Inhalte zulassen, die seinen Leitlinien widersprächen oder "irgendein anwendbares Gesetz" verletzten. Wilders, der Vorsitzender der rechtspopulistischen "Partei der Freiheit" ist, wollte den Film über den US-Provider verbreiten, um sich gegen Strafverfolgung in den Niederlanden abzusichern.

Der genaue Inhalt des Kurzfilmes ist nicht bekannt. Wilders erklärte, er wolle den Koran als "faschistisches Buch" entlarven. In einem Statement in der Samstagsausgabe der niederländischen Zeitung "De Volkskrant" schreibt der Politiker, der Film handle nicht so sehr von Muslimen, sondern vom Koran und dem Islam an sich. Er sei keine Religion, sondern "eine politische Ideologie, die nach Weltherrschaft" strebe. Das höchste Ziel des Islam sei es, "das zu zerstören, was uns am meisten bedeute: unsere Freiheit". Niederländische TV-Sender verweigerten eine Ausstrahlung des Films.

Erinnerung an Ermordung Van Goghs

Die Niederländische Islamische Föderation (NIF) will den islamkritischen Film vor der Veröffentlichung auf ein mögliches Verbot überprüfen lassen. Sie beantragte bei einem Gericht in Den Haag die Ernennung eines Expertenteams, das den Film untersuchen solle. Wilders kündigte an, sich nicht einschüchtern zu lassen. Wenn es sein müsse, werde er die DVDs eigenhändig in Amsterdam verteilen, erklärte er. Die niederländische Regierung distanzierte sich von Wilders und legte ihm nahe, auf eine Veröffentlichung zu verzichten. Am Freitag soll die Verhandlung stattfinden - wenn es Wilders gelingt, seinen Film vorher in Umlauf zu bringen, dürfte die Gerichtsentscheidung hinfällig werden.

Am Samstag demonstrierten mehr als 2000 Menschen in der Amsterdamer Innenstadt gegen die Veröffentlichung des Films. Sie warnten auf Transparenten und Redebeiträgen vor Diskriminierung und Rassismus. Viele Niederländer fühlen sich erinnert an die Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh, nachdem dieser den Film "Submission" veröffentlicht hat. Zudem befürchten viele, dass der Film weltweit zu Ausschreitungen und Blutvergießen führen könnte - wie bei der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemark.

In Afghanistan gingen am Freitag bereits mehrere tausend Menschen auf die Straße. Sie verbrannten nach Polizeiangaben dänische und niederländische Fahnen. Ein Geistlicher rief die dort stationierten Nato-Soldaten der beiden Länder auf, Afghanistan zu verlassen. (nim/AFP)

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