Politik : Konya – Hort der Islamisten

Susanne Güsten

Istanbul - Seit Jahrhunderten steht der Name der Stadt Konya für religiöse Toleranz: Die Stadt war im Mittelalter der Wirkungsort des islamischen Philosophen Mevlana Rumi, der die Nächstenliebe in den Mittelpunkt seiner Lehre stellte und auf den sich die wirbelnden Derwische berufen. Noch heute pilgern jährliche zehntausende Türken nach Konya, um dem Mystiker ihre Reverenz zu erweisen. Im Kontrast dazu steht der Ruf, den Konya sich inzwischen erworben hat: Als besonders konservativ-religiöser Ort gilt die Stadt nun, als Hort des islamistischen Fundamentalismus.

Erst Anfang dieses Jahres wurden in Konya zwei Dutzend mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder festgenommen, die einen Anschlag in der Türkei geplant haben sollen. Die Gruppe soll in der Nähe von Konya ein Schulungszentrum nach Vorbild radikalislamischer Medresen in Pakistan betrieben haben: Kinder ab neun Jahre erhielten hier Religionsunterricht, zugleich soll das Zentrum als Trainingslager für die Terrorausbildung gedient haben. 2006 wurde in Konya auch eine Zelle der fundamentalistischen Terrorgruppe IBDA-C ausgehoben, die in der Türkei schon mehrfach Bombenanschläge verübt hat. Zumindest eine indirekte Verbindung hatte Konya auch zu den schweren Anschlägen in Istanbul im November 2003, bei denen mehr als 60 Menschen starben. Als Gebietschef von Al Qaida wurde der aus Konya stammene Hamit Obeysi zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Eine Spur führt von der fundamentalistischen Szene der zentralanatolischen Stadt auch nach Deutschland, und zwar über den 1997 in Berlin ermordeten Fundamentalistenführer Halil Ibrahim Sofu – den Gegenspieler des vor drei Jahren aus Deutschland abgeschobenen Hasspredigers Metin Kaplan. „Sofular“ nannte sich nach ihm eine Gruppe von Islamisten, die sich in Konya um einen Fundamentalisten namens Özcan Kocak scharte und im Februar 2006 von einer Antiterroreinheit der türkischen Polizei ausgehoben wurde. 70 Personen nahmen die Sicherheitskräfte damals fest, gegen 50 davon erging Haftbefehl. Susanne Güsten

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