Konzern-Vorstände : Gesetzliche Frauenquote ist vom Tisch

Es wird keine verbindliche Frauenquote für die Vorstände deutscher Konzerne geben. Die Unternehmen wollen sich eigene Ziele setzen. Familienministerin Schröder droht mit Bußgeld bei Nichterreichen der Selbstverpflichtung.

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Auf dem Weg nach oben? In den großen Unternehmen sind Frauen nur selten an der Spitze zu finden.
Auf dem Weg nach oben? In den großen Unternehmen sind Frauen nur selten an der Spitze zu finden.Foto: beyond fotomedia / vario images

Berlin - Die Unternehmen wollen sich statt einer verbindlichen Quote jeweils eigene Ziele für die stärkere Besetzung von Führungspositionen mit Frauen setzen. Die Personalvorstände der größten deutschen Firmen wollen am heutigen Montag der Bundesregierung „eine Übersicht verbindlicher Zielvorgaben für die jeweiligen Unternehmen“ übergeben. In einer Erklärung der Unternehmen, die dem Tagesspiegel vorab vorlag, heißt es weiter, die Unternehmen „haben in einer europaweit einmaligen Initiative eine freiwillige Selbstverpflichtung erarbeitet“. Künftig werde jedes Jahr in einem „Fortschrittsbericht“ offengelegt, wie sich der Frauenanteil in Führungspositionen verändert habe. Ob der Regierung diese Art der Selbstverpflichtung ausreicht, ist fraglich.

Familienministerin Kristina Schröder war anders als ihre Vorgängerin und jetzigen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) immer gegen eine gesetzliche Quote. Die sich nun abzeichnende unternehmensspezifische Selbstverpflichtung will sie aber offenbar mit der Androhung von Bußgeldern absichern. Nach Informationen des „Spiegel“ schweben Schröder Strafen bis zu 25 000 Euro vor. Die Opposition kritisierte am Wochenende Schröders angeblich zu zaghaften Kurs gegenüber den Konzernen. „Frau Schröder kämpft nicht für die Frauenquote, sondern lässt sich von den Dax- Unternehmen vorführen“, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig „Spiegel Online“. Das Treffen sei eine Schaufensterveranstaltung. „Wenn Unternehmen wie VW oder BASF ankündigen, den Frauenanteil in ihren Führungsetagen bis 2020 gerade mal auf elf beziehungsweise 15 Prozent erhöhen zu wollen, dann ist das ein schlechter Witz.“ Am Ende werde die EU wohl eine verbindliche Quote aufzwingen müssen.

Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, kritisierte, Schröder knicke mit ihrem Vorschlag für flexible Quoten „wieder einmal vor der deutschen Wirtschaft ein“.

Gabriele Sons, Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, begrüßte dagegen die Strategie Schröders. „Eine Quote halte ich für baren Unsinn. Wir müssen die Stellen nach Qualität besetzen, nicht nach Geschlecht“, sagte Sons dem Tagesspiegel. Im Übrigen könne man erst Frauen mit Blick auf Führungspositionen fördern, „wenn wir eine breite Basis an Frauen in den Firmen haben“. Das sei aber derzeit nicht der Fall, sagte die Chefin des mächtigsten deutschen Arbeitgeberverbandes. „Unsere Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie suchen händeringend Frauen, die brauchen keine Quote.“

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