Politik : Kooperation als Reaktion auf Sprengstoffanschlag - Sieben Tote und 42 Verletzte

Wenige Stunden nach einem blutigen Sprengstoffanschlag in Bogota hat die kolumbianische Regierung am späten Donnerstagabend die Auslieferung von drei mutmaßlichen Drogenbossen an die USA verfügt. Es handelt sich um den Venezolaner Fernando José Floes Garmendia, den Kolumbianer Jaime Orlando Lara und den Kubaner Sergio Bravilo, wie die Regierung in Bogota mitteilte. Justizminister Romulo Gonzalez hatte unmittelbar zuvor angekündigt, sein Land werde "alle Drogenhändler ausliefern", falls die Drogenmafia hinter dem Anschlag stehe.

Bei der Explosion einer Autobombe waren sieben Menschen getötet und 42 verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Regierung und Stadtverwaltung setzten eine Belohnung von etwa 480 000 Mark für die Ergreifung der Täter aus.

Die Auslieferungen sind die ersten seit der Änderung der kolumbianischen Gesetzgebung im Jahr 1997. Nach massivem Druck der Drogenkartelle und einer Anschlagserie war in der Verfassung 1991 die Auslieferung von Kolumbianern an andere Staaten verboten worden. Mitte Oktober hatten mehrere südamerikanische Länder und die USA in einer gemeinsamen Aktion eines der größten Drogenkartelle Lateinamerikas zerschlagen. Dabei wurden in Kolumbien 31 mutmaßliche Kokainhändler festgenommen. Bogota kündigte an, sie würden wegen Drogenschmuggels und Geldwäsche an die USA ausgeliefert.

Dem Drogenring wird vorgeworfen, jeden Monat 30 Tonnen Kokain im Wert von fünf Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Mark) in die USA gebracht zu haben. Flores Garmendia galt als Vertrauter von Pablo Escobar, dem einstigen Chef des zerschlagenen Medellin-Drogenkartells.

Der Bombenanschlag in einem belebten Viertel im Norden von Bogota war der zweite innerhalb von 48 Stunden. Durch die Wucht der Detonation wurden Häuser und Autos im Umkreis von rund hundert Metern beschädigt. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach den Tätern ein, in den großen kolumbianischen Städten wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Am Dienstag waren bei einem Sprengstoffanschlag im Nordosten der kolumbianischen Hauptstadt acht Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer.

Nun geht die Angst vor weiteren Anschlägen um. Gefürchtet ist vor allem die Wut des im Oktober gefassten und als "weltweiter Kokain-König" bekannt gewordenen Fabio Ochoa. Er war mit dem berüchtigten Drogenboss von Medellin, Pablo Escobar, eng befreundet. Escobar wurde im Dezember 1993 erschossen. Ochoa soll es nach Escobars Tod gelungen sein, die Herrschaft über ein riesiges Netz von Drogenschmuggel und Geldwäsche zu übernehmen. Gemeinsam mit Alejandro Bernal hatte Ochoa offensichtlich mehr Möglichkeiten und Macht, als es sich Escobar je erträumt haben dürfte. 30 Tonnen Kokain sollen von der namenlosen Organisation pro Monat in die USA und nach Europa gebracht worden sein. Dabei wurde ein geschätzter Umsatz von fünf Milliarden Dollar jährlich erzielt.

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