Politik : Kopf-an-Kopf-Rennen in Kroatien erwartet

Konservative erhalten vor Parlamentswahl Hilfe von Stoiber

Andreas Ernst

Belgrad. Kroatien wählt an diesem Sonntag ein neues Parlament. Der Kampf um die Sitze wird von zwei „Parteifamilien“ geführt, die fast ähnliche Chancen haben. An der Spitze der Linken stehen die Sozialdemokraten (SDP), die aus der Kommunistischen Partei hervorgegangen sind, und die seit 2000 unter Ivica Racan an der Regierung sind. Das oppositionelle rechte Lager führt die nationalistische Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) an, an deren Spitze der Autokrat und Staatspräsident Franjo Tudjman stand. Heute hat Ivo Sanader vom gemässigten Flügel den Vorsitz.

Meinungsforscher erwarten, dass die HDZ mit 25 Prozent stärkste Partei wird, gefolgt von der SDP mit 23 Prozent. Zusammen mit den kleinen Parteien ergibt dies auf der Rechten einen Block mit etwa 40 Wählerprozenten, auf der Linken erwartet man 42 Prozent.

Die vormals ultranationalistische HDZ gibt sich im Wahlkampf als konservative Partei europäischen Zuschnitts. Sanader wird dabei von CSU-Chef Edmund Stoiber unterstützt, der ihm in Werbespots bescheinigt, reif für die EU zu sein. Doch Sanaders Partei insgesamt verdient dieses Lob kaum: Die Kooperation mit den ex-jugoslawischen Nachbarn, mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal und vor allem die Rückkehr der vertriebenen Serben ist in der HDZ höchst unpopulär - obwohl dies doch zu den Bedingungen der EU für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen gehört.

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