Politik : Kopfgeld auf Völkermörder

Die USA fahnden nach Verantwortlichen des Genozids in Ruanda

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Von Christoph Link, Nairobi

Afrika hat das Jagdfieber gepackt. Anfang Juni setzte die US-Regierung erstmals Prämien in Höhe von insgesamt fünf Millionen US-Dollar für Hinweise auf den Aufenthaltsort von acht Verdächtigen aus, die den Völkermord in Ruanda organisiert haben sollen. In vielen afrikanischen Tageszeitungen erscheinen seither „Wanted"-Fotos der Gesuchten. Nun konnten die Fahnder einen ersten Erfolg verbuchen. Am Dienstag bestätigte Washington die Verhaftung von General Augustin Bizimungu in Angola.

Bizimungu war kurz nach Beginn des Völkermordes 1994 zum Armeechef Ruandas ernannt worden. Der Internationale Ruanda-Strafgerichtshof in der tansanischen Stadt Arusha wirft ihm Völkermord, Verschwörung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Die Anklage nimmt an, dass Bizimungu gemeinsam mit vier Armeeoffizieren die Ausrottung der Tutsi-Minderheit Ruandas geplant hat. Im Februar 1994 soll er gesagt haben, dass er bei weiteren Angriffen von Tutsi-Rebellen „keinen Tutsi in meinem Zuständigkeitsbereich mehr lebend“ sehen wolle.

Die Verhaftung des Generals in einem Entwaffnungscamp für ehemalige Unita-Rebellen in Angola wirft ein Schlaglicht darauf, wie verwoben die Konflikte der Region sind. Der Völkermord 1994 in Ruanda dauerte rund 100 Tage; Hutu-Soldaten, Milizionäre und aufgestachelte Zivilisten metzelten 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu nieder, bis der Einmarsch einer Tutsi-Armee unter Paul Kagame dem Spuk ein Ende machte. Die Hutu-Mörder flohen in die Nachbarstaaten, vor allem in die Demokratische Republik Kongo (vormals Zaire) und destabilisierten von dort weiterhin Ruanda und Uganda.

Ehemalige Soldaten der ruandischen Hutu-Armee (FAR) kämpften zeitweise auch auf Seiten der Unita-Rebellen gegen die Regierungsarmee von Angola. Mit dem Frieden ist ihnen dort jedoch der Boden entzogen worden. In Kongo sollen die „negativen Mächte“ – Hutu-Rebellen der Interhamwe und Ex-FAR-Soldaten – nun ebenfalls entwaffnet werden. Das sieht das kürzlich geschlossene Abkommen von Ruandas Präsident Paul Kagame und Kongos Machthaber Joseph Kabila vor.

Die Stabilisierung Kongos steht vermutlich auch hinter der Fahndungsaktion Washingtons. Ein zweiter Grund dürfte die Ermordung von acht amerikanischen und britischen Touristen 1999 im Bwindi-Nationalpark in Uganda sein. Auch diese Tat ging offenbar auf das Konto von Hutu-Rebellen.

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