Politik : Kopfzerbrechen auch über die UCK

PIERRE LHUILLERY (AFP)

Kopfzerbrechen bereitet der Nato derzeit nicht nur die konkrete Umsetzung und Kontrolle des Rückzugs der jugoslawischen Militärkräfte aus dem Kosovo, sondern auch das Verhalten der kosovarischen Untergrundarmee UCK. Sobald der Schutz der Bevölkerung durch die internationale Friedenstruppe gesichert sei, "hat die UCK keine Aufgabe mehr", sagt Nato-Sprecher Jamie Shea. "Dann ist es Zeit für sie, die Waffen niederzulegen und sich wieder an der Politik zu beteiligen." Das klingt plausibel, ist aber leichter gesagt als getan. Für die Allianz kann die Kontrolle der Rebellen zu einem ernsten Problem werden.

Unmittelbar stellt sich die Frage, ob die Rebellen die an die Serben verlorenen Stellungen bei deren Abzug wieder zurückerobern, wie ein Nato-Vertreter meint, der nicht genannt werden will. Die bisherigen Erfahrungen stimmen eher pessimistisch. Als sich im Herbst 1998 die jugoslawischen Truppen unter internationalem Druck aus einem Teil des Kosovo zurückzogen, reagierte die UCK prompt mit vermehrten Aktionen und Provokationen. Sie startete neue Attacken gegen Serben und brachte Gebiete, aus denen sie ein paar Monate vorher vertrieben worden war, wieder unter ihre Kontrolle. Langfristig gibt es außerdem die Frage, wie die UCK-Kämpfer in die Zivilgesellschaft integriert werden können.

Grundsätzlich hat die Befreiungsarmee den Friedensplan für das Kosovo begrüßt. Bereits im März hatte sie - im Gegensatz zu Belgrad - den Friedensplan von Rambouillet unterzeichnet und damit einer Entwaffnung zugestimmt. Nur wenig später, Anfang Mai, lehnte sie es jedoch ab, ihre Waffen niederzulegen und forderte eine Integration ihrer Soldaten in die Armee eines "unabhängigen und demokratischen" Kosovo. Einen Tag nach der Annahme des neuen Friedensplans durch das jugoslawische Parlament am Donnerstag kündigte die UCK an, ihren Widerstand zunächst fortzusetzen: "Weil wir den Manövern von Milosevic nicht trauen".

Mit ihren paar Tausend mit rostigen Gewehren bewaffneten Männern, aus denen die UCK bei ihrer Gründung vor zwei Jahren bestand, hätte die Befreiungsarmee nie erreicht, was jetzt durch den Einsatz der Nato in greifbarer Nähe scheint: der Abzug der etwa 40 000 jugoslawischen Soldaten und Polizisten aus dem Kosovo. Die UCK ist während des Krieges auf schätzungsweise 17 000 Mann angewachsen. Durch die Verhandlungen in Rambouillet wurde sie hoffähig. Sie hat nun die Chance, ohne Waffen die neue politische Landschaft im Kosovo mitzugestalten. Wie sich die UCK tatsächlich verhalten wird, ist aber auch deshalb schwer zu sagen, weil die Interessen innerhalb ihrer einzelnen Fraktionen oft widersprüchlich sind. Die Kontrolle der UCK und ihre Entwaffnung stellt nach Einschätzung von Nato-Diplomaten ein ernsthaftes Problem für die Friedenstruppe dar. Eines dürfe dabei nicht vernachlässigt werden: Die Friedenstruppe müsse auch die serbische Minderheit im Kosovo schützen, um zu verhindern, daß die UCK sich an ihr rächt.

Das US-Verteidigungsministerium rechnet offenbar damit, daß zahlreiche im Kosovo lebende Serben die Provinz demnächst verlassen werden. Pentagon-Sprecher Kenneth Bacon meinte dazu: Das Kosovo werde für die serbische Minderheit vermutlich kein "sehr heiterer Ort" mehr sein.

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