Politik : Koran „falsch behandelt“

Pentagon räumt Missbrauchsfälle in Guantánamo ein

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Mit Empörung reagierte das Pentagon vor zwei Wochen auf eine Meldung des Magazins „Newsweek“, wonach in Guantanamo Wärter einen Koran die Toilette hinuntergespült hätten. Es gebe keine „glaubwürdigen und spezifischen Anschuldigungen“, wetterte ein Ministeriumssprecher und forderte von Newsweek Entschuldigung und Wiedergutmachung für den Bericht, für den es keine Quelle nachweisen konnte. Doch mittlerweile sieht die Sache anders aus. Am Donnerstag musste der Chef einer nach den „Newsweek“Anschuldigungen eingesetzten Untersuchungskommission des Militärs zugeben, dass Soldaten in Guantanamo in 13 Fällen die Heilige Schrift der Moslems nicht ordnungsgemäß, sprich falsch, behandelt haben sollen.

„In den meisten Fällen geschah das unabsichtlich“, beeilte sich Brigadegeneral Jay W. Hood hinzuzufügen, und nie sei ein Koran von einem Mitglied der Militärpolizei oder des Militärischen Geheimdienstes die Toilette hinuntergespült worden, um Geständnisse zu erpressen. Nach Ansicht der Ermittler ließen sich nur fünf Fälle wirklich als Missbrauch bezeichnen, begangen von einem Militärpolizisten und drei Verhör-Spezialisten.

Details zu den Vorfällen verweigerte Hood unter Verweis auf laufende Ermittlungen. Er betonte jedoch, dass keiner der Fälle ein Verstoß gegen die damals herrschenden Vorschriften gewesen sei. Eine bemerkenswerte Interpretation – gab das Pentagon doch erst Anfang 2003 detaillierte Dienstvorschriften heraus, wie mit dem Koran umzugehen sei. Die bislang dokumentierten Missbräuche fanden aber alle davor statt. Hood wies darauf hin, dass in 15 Fällen Gefangene selbst den Koran schändeten, ein Häftling habe gar Seiten aus dem Buch gerissen.

Hoods Auftritt war auch Reaktion auf Veröffentlichungen der Bürgerrechtsgruppe American Civil Liberties Union (ACLU), die tags zuvor aus bisher geheimen FBI-Akten zitiert hatte. Demnach beklagten sich von der Bundespolizei in Guantanamo befragte Gefangene mehrfach über Koran- Schändungen. Einer berichtete auch den Vorfall mit der Toilette. Pentagon-Ermittler sagen nun, sie hätten den Häftling erneut verhört und er habe seine Aussage zurückgezogen. „Er erzählte uns, ,nein, er sei nicht geschlagen oder misshandelt worden’“, so Hood, er habe auch nur lediglich Wächter davon sprechen hören, dass eine Heilige Schrift in der Toilette gelandet sei. Über 31000 Aktenseiten aus drei Jahren hatten die Ermittler durchgearbeitet und eine ungenannte Zahl von Gefangenen und Soldaten vernommen. Das letzte Wort zu den Missbrauchsfällen in der US-Militärbasis auf Kuba ist damit dennoch nicht gesprochen. Die Ermittlungen des zuständigen Oberkommandos Süd laufen weiter.

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