Politik : Korea-Gipfel: Sie sprechen über Wiedervereinigung

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Genau 55 Jahre nach der Teilung der koreanischen Halbinsel sollen sich die seither getrennt lebenden Familien wieder besuchen dürfen. In einer gemeinsamen Stellungnahme zum Abschluss ihres historischen Gipfeltreffens kündigten der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il am Mittwoch unter anderem ein Besuchsrecht für die durch die Teilung getrennten Familien an. Außerdem stellten sie den Austausch von Gefangenen in Aussicht. Kim Jong Il nahm ferner eine Gegeneinladung seines Gastes nach Seoul an. Beobachter werteten das Abkommen als ersten Schritt hin zu einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten. Es war das erste Treffen von Staatschefs der beiden Länder seit der Teilung 1945. Offiziell befinden sich beide Staaten noch immer im Kriegszustand.

Einige Familien, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs getrennt sind, soll sich um den 15. August, dem Jahrestag der Befreiung Koreas, besuchen dürfen. Zum selben Zeitpunkt sollen demnach auch Langzeitgefangene ausgetauscht werden. Nordkorea verlangte seit langem die Überführung von Häftlingen, die im Süden wegen Spionage und kommunistischer Aktivitäten verurteilt worden waren.

Ein genauer Termin für den Gegenbesuch des nordkoreanischen Staatschefs in Seoul wurde zunächst nicht bekannt. In der Hauptstadt des völlig verarmten Nordens stießen beide Staatsoberhäupter mit Champagner auf ihr Abkommen an. Angaben einer südkoreanischen Sprecherin zufolge führten Kim Dae Jung und Kim Jong Il am Mittwoch bei zwei Treffen insgesamt mehr als drei Stunden lang intensive Gespräche über "Versöhnung, Zusammenarbeit und Wiedervereinigung, den Abbau von Spannungen und Frieden, die Zusammenführung von getrennten Familien sowie Austausch und Zusammenarbeit auf einer Reihe von Feldern".

Nach Angaben Südkoreas führten die beiden Staatsoberhäupter auch Gespräche über die Einrichtung eines so genannten Roten Telefons, über das sie in ständigem Kontakt bleiben könnten. Nach zunächst unbestätigten Berichten wurde auch über die Einrichtung von gegenseitigen "diplomatischen Vertretungen" beider Landesteile diskutiert.

Auf einem Bankett, das Südkoreas Präsident Kim Dae Jung in Pjöngjang für seinen Gastgeber gab, sagte er, der Gipfel sei ein Erfolg. Dafür danke er seinem Gesprächspartner Kim Jong Il. Der nordkoreanische Parlamentspräsident Kim Young Nam sagte in einer Rede: "Obwohl wir lange verschiedene Wege beschritten haben, können wir künftig zusammen gehen." Auch ein Großteil der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze feierte den Gipfel.

Moskau bezeichnete das Abkommen über Aussöhnung und Zusammenarbeit als "sehr wichtigen und positiven Schritt". Aus dem russischen Außenministerium verlautete dazu nach Angaben der Agentur Interfax, dass dieses Ergebnis die "ursprünglich an den Gipfel gestellten Erwartungen übertreffe". Der Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart bezeichnete den Gipfel Südkorea als "ermutigend". Das Zusammentreffen der Staatschefs der beiden Koreas an sich sei schon ein wichtiger Schritt, hieß es.

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